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Donnerstag, 21. November 2013

Perfect Mirrors



Can you hear them?
The whisp'ring waves
We're in Big Sur -
No need for words now
We sit in silence
The moon's light
in our eyes directly
And we can see
Dark Rivers
through the Milky Way
We're in them
Reflecting -
like perfect mirrors

Do you feel them?
The hawk's wings vim
We watch him flying
No need for words now
We sit in silence
His stern eyes
pierce our minds directly
And we can see
high waters
in far mountains' fold
We're in them
Reflecting:
The perfect mirrors

Can you grasp it?
This true momento
How we are (in) it
Fierce wish to scream
Or are we screaming?
Old worn fears
faced here directly
And we can see
blue dolphins
in wild water's waves
We're with them
Hands touching:
My perfect mirrors

Can you freeze it?
The final sunrise
Where all must end
No room for words now
We part in silence
Our soil scents
exchange skins directly
And we can see
tough currents
in the flux of time
We're in them
Shifting
like liquid mirrors

Can you tell me?
Those perfect mirrors -
What do they show now
I am in Berlin
I sit in silence
The screen's light
hits my face directly
And I can see
white barriers
in every window's pane
I'm in them
Reflected
by empty mirrors







Samstag, 3. August 2013

Vom Camino del Norte zurück - und jetzt?


Ich bin seit drei Tagen vom Camino zurück und es ist nichts, wie es sein soll. 
Die Pilger sprechen immer nur von ihrem Weg auf dem Camino, aber keiner spricht von seinem Weg nach dem Camino. Sie sprechen nur von ihrer Rückkehr während dem Camino, während sie laufen und glauben zu leiden. Sie sprechen dann von den Massagen, die sie sich zu hause leisten wollen, von zwei Tagen Durchschlafen, von endlos langen Duschen, sauberer Wäsche und keinen Blasen mehr an den Füßen. Aber so ist die Rückkehr nicht. Zumindest meine Rückkehr ist so nicht.

Die letzten beiden Tage bin ich 20 und 15 Kilometer gegangen. Ich habe mir Baguette gekauft (eigentlich hasse ich Weißbrot) und keine Lust gehabt, meine Klamotten aus den Umzugskarton heraus zu suchen, also bin ich einfach im Pilger-Look geblieben und habe weiterhin meine Mikrofaserunterhosen unter der Dusche gewaschen. Ich ging im See schwimmen, schloss die Augen und stellte mir vor, es sei das Meer. Meine Füße wollen laufen, laufen, laufen, immer nur laufen. Ich bin ruhelos, rastlos. Die ersten beiden Nächte konnte ich nicht schlafen. Ich bekam Muskelkrämpfe in den Waden vom NICHTlaufen - Tatsache! Während der 415km auf dem Camino del Norte hatte ich nicht einen Muskelkrampf.

Natürlich habe ich mich gefreut, meine Freunde wieder zu sehen. Natürlich war es schön, endlich einmal wieder nachts in einem ruhigen und sicheren Bett zu schlafen. Und gerade sitze ich hier schön vor meinem Laptop, höre laut Musik und trinke Radler. Aber trotzdem zieht es mich innerlich zurück und wieder auf nach draußen, auf einen Weg mit einem Ziel, in einen Wald, an eine Küste, durch ein Feld, über Steine, über Fels, auf Schotter, auf Sand, auf Kies.

Neben mir liegen die Fotos, die wir mit der Unterwasserkamera gemacht haben. Salz auf der Haut und im Mund, in den Augen, auf der Zunge. Auf einem Bild sehe ich: Mich und das Meer, den Rücken zur Kamera, die Welle vor mir, der Himmel blau. Dieses Foto ist richtig. Hinter mir ist das Fenster und ich schaue raus: Ein geteertes Dach, eine grau-braune Hausfassade, schwarze lieblose Fenster, leere Blumentöpfe (außer einer, in dem ist Hanf gepflanzt), kein Himmel. Das kann nicht richtig sein.


Ich vermisse den Camino mit all meinen Sinnen, ich vermisse die Freiheit, die er mir gab, vermisse die Aufgaben, die ich auf ihm fand, vermisse die Menschen, mit denen er mich verband. Mir fehlen seine Höhen und Tiefen, ich möchte ihn wieder in meinen Beinen spüren, will seinen Wind zurück und seinen warmen Regen, will in seiner sengenden Hitze schwitzen und in seinen Unwettern schreien. Ich will sein Wetterleuchten über mir und seinen Vollmond hinter den Berggipfeln wieder sehen, will den Tau an meinen Waden kleben spüren und die Insekten surren hören und ja, auch den Asphalt und die vorbei rasenden Autos will ich zurück haben - ich will alles!

Denn so fühlt es sich falsch an. Ein Mitpilger schrieb nach dem Abschied: "Kommt gut zurück in der Realität an." Als wäre der Camino nicht die Realität gewesen. Als sei der Camino nicht viel realer als alles, was uns diese Realität tatsächlich bietet. Ich habe die ganzen Briefe und Rechnungen auf meinem Schreibtisch noch nicht geöffnet, noch in keine Zeitung geschaut, keine Zeile gelesen, die mich zurück in die Gesellschaft und das globale Weltnetz holt. Ich habe Bier getrunken und bin nachts um den Weißensee gewandert. Ich habe in Friedrichshain einen Pflaumenbaum geplündert. Ich habe in einem Brunnen gebadet. Ich habe alles getan, um so gut es geht zu SEIN.

Aber einfach ist das nicht, wenn nichts ist, wie es sein soll. Und daher muss ich für mich feststellen, dass der Weg nach dem Camino viel schwieriger sein kann als der Weg auf dem Camino und er daher für mich vermutlich die eigentliche Herausforderung ist.

https://www.dropbox.com/s/xamgv3rxwpoylkj/video-2013-07-30-11-17-12.mp4

Stille

(geschrieben von Laui und mir am Flughafen von Bilbao, 31.07.2013)


Ein Schweigen nährt die Stille
die längst nicht mehr anhält
Es lärmt aus allen Ecken -
Jede Stille still gestellt.

Ein Pärchen mit der Muschel
lähmt den Lärm ein kurzes Stück
bevor das Schweigen weiter rast
und uns mit seiner Last erdrückt.

Noch gestern gab es Stunden
da war das Schweigen voll, es klang
und Wind war in den Wolken
der wild von Abenteuern sang.

Doch heut wiegt schwer der Schritt am Boden
und alles Schweigen drängt
uns von hier fort zu holen
dorthin, wo jetzt alles fremd.



Moderat - Bad Kingdom



here it ends
no one’s gonna shed a tear
no need to shout
just to stand the silence

a well spent time
in the early morning’s haze
you sit and wait
watching full glasses through blank eyes

this is not
what you wanted
not
what you had in mind

vacuous winter stare
worn out version of yourself
to tough to fall
but not strong enough to turn

this is not
what you wanted
not
what you had in mind

Montag, 2. Juli 2012

Ich komm zurück.

Vor einiger Zeit schrieb ich einmal einen Songtext für einen Freund, den er netterweise sogar annahm und musikalisch umsetzte, obwohl er nach eigener Aussage selbst nicht sagen konnte, worum es darin überhaupt ging. Ich hatte den Text "Your skull-sized Kingdom" genannt und es hagelte darin massenhaft Metaphern aus reimtechnisch nicht ganz ebenen Metahöhen. Von "concrete leagues of flaring novas" war da die Rede, von "empty mirrors in the air" und "gazing eyebally chasing through". Escher fand darin Erwähnung und ebenso der Gordische Knoten. Glaubt mir, wenn ihr mit dem ganzen Zeug jetzt nichts anfangen könnt, dann schaut es auch nicht nach, denn es spielt wirklich keine Rolle. Es war schlicht und einfach ein Text über absoluten Identitätsverlust!

Jedenfalls, hier kommt der Kontext: Ich sehe am Horizont derzeit das Ende einer jener solchen Phasen! Mal wieder, muss man dazu sagen. Endlich, muss man auch dazu sagen.
Denn die letzten Monate zogen sich recht schleppend dahin. Vor mir stand die unüberwindbar scheinende Mauer namens "Zukunft". Und nicht nur meine Zukunft, sondern die Zukunft so generell. Schließlich muss man die ja mitbedenken, damit man dann nicht von ihr überrascht wird, also von der generellen Zukunft in der eigenen Zukunft, denn dann könnte die eigene  Zukunft ja an der generellen Zukunft zerschellen! Was ich damit sagen will? Na, ganz einfach: Meine Zukunft als Journalistin zum Beispiel könnte an der allgemeinen Zukunft des Journalismus scheitern. Es sieht düster aus, in der Medienlandschaft. Und meine Zukunft als Lehrerin an der der deutschen Bildungspolitik. Auf der anderen Seite könnten die Zukünfte aber auch vice verca aufeinander prallen. Was zum Beispiel passiert, wenn die Zukunft der durchaus hell beleuchteten IT-Landschaft zu überfordernd sein sollte für den möglichen IT-Fishfäng der Zukunft? Oder kann der eventuelle Neuro-Fäng wirklich ethisch-moralisch in jene allgemeine Zukunft passen, in der die Menschen mittels Neuro-Headsets ihre aktuellen Gefühle bestimmen lassen, da sie in der Technokratie verlernt haben sich selbst zu vertrauen?

Und was wird aus der Familie? Welche Familie zu allererst? Die klassische zu zweit mit biologischen Reproduktionsprodukten? Oder doch eher Hunden? Vielleicht mit standardisierten iBots, deinem persönlich programmierten, hausinternen iFriend? Also dann doch lieber ein Wohnprojekt, denk ich: generationsübergreifend, autonom, sozial, nett und grün. Au ja! Und dann den Rest des Lebens fröhlich-munter-heiter mit seinen lieben, lieben Mitmenschen sein und vegane Purzelbäume schlagen. Aber vegane Purzelbäume produzieren höchstens Methanflatulenzen und der Bio-Goldesel ist in dieser Welt nur eines, nämlich abbaubar. Realitätsvorkommen in dieser Vorstellung also: So hoch wie das Vorkommen von echten Früchten im Müller-Joghurt!

Mein Onkel jedenfalls sagt mir, freundlich verpackt, ne Zukunft als Penner voraus. Damit generiert er überhaupt keinen Druck. Ich bin sehr froh über seine Unterstützung. Ich weiß, damit will er mir zeigen, wie sehr er mich liebt. Danke, danke, lieber Onkel.

Die letzten Tage und Wochen verbrachte ich hauptsächlich damit Lost zu sein! Ein Zustand der Dauerbedröhnung und extrem niedriger Gehirnaktivität. Denn sobald ich versuchte, den Kasten oben anzuleihern, überfielen mich jene besagten Teufels-Novas und Anti-Spiegel. Dabei hatte ich zuvor noch alles im Griff. Die Bewerbungen liefen, die Pläne waren groß, aber überschaubar. Nach Island, ja. Für den Spiegel Online ne Story schreiben. Super! Aber dann: Das Ich-Nirwana! Das Skull-sized Kingdom! Totale Befreiung von der Realität durch höchst funktionalen Ich-Verlust. Aber dabei leider keine Möglichkeit die Realitätkonstante zu unterbrechen. Der ganze Scheiß lief einfach weiter, ohne mich! Und dabei dennoch ständig nach mir verlangend. Lass mich doch in Ruhe, verdammt nochmal.
Daraus resultierend dann: Angst und ständiges Überfordertsein + zwei Zeichnungen: Einmal ein Metronom mit nem "gazing eyeball" als oszillierendes Dauerpendulum und einmal ein thronendes Gehirn mit einem Siepinski-Dreieck, da, wo ungefähr die Amygdala sitzt, von der es heißt "Fehlt sie, ist auch die Angst verschwunden".

Ich hab keinen Bock mehr, Leute, echt! Ihr fehlt mir! Das Leben fehlt mir. Wisst ihr was? Ich komm zurück. In dem Sinne also:



Dienstag, 18. Oktober 2011

When the Sky turns Grey

Foto aufgenommen in Berlin, Engelsdamm, Kreuzberg. Lied gemacht von Radiohead auf dem Album Hail to the Thief. Parallelen aufgedeckt oder Projektion vollzogen (?) vom Fishfäng.





Where I end and You begin




There's a gap in between
There's a gap where we meet
Where I end and you begin
And I'm sorry for us
The dinosaurs roam the earth
The sky turns grey
Where I end and you begin
I am up in the clouds
I am up in the clouds
And I can't and I can't come down
I can watch and cant take part
Where I end and where you start
Where you, you left me alone
You left me alone
X'll mark the place
Like the parting of the waves
Like a house falling in the sea
In the sea
I will eat you alive [x4]
There'll be no more lies [x4]
I will eat you alive [x4]
There'll be no more lies [x4]
I will eat you alive [x4]
There are no more lies [x4]
I will eat you alive [x3] 

Mittwoch, 9. Februar 2011

Der Fishfäng allein zuhaus.

Mi, 09.02.11 (Tag 1)// Belgien, Böllingen Büllingen


Es ist 12:07. Der erste Tag.
In diesem Haus ticken keine Uhren. Alles ist digital.
Die Zeit verrinnt unauffällig und zurückhaltend, geradezu schüchtern. Hier auf dem Land ist es definitiv eine andere Zeit als in der Stadt. Das merkt man sofort. Es ist eine Zeit, die nicht ständig bemessen, präzisiert, erschöpft, durchdacht oder erarbeitet werden will. Man muss ihr hier nicht hinterher rennen, sie nicht im voraus planen oder sie gar segmentieren und in eine Tabelle einfügen. Die Landzeit ist einfach nur da. Ganz im Gegenteil also zur Stadtzeit, die eigentlich nie da ist, zumindest nie so richtig. In den Städten müssen wir sie ständig suchen, die Zeit, hinterm Feierabend und in langen schlaflosen Nächten, wir suchen sie im Internet und am Boden von leeren Flaschen. Wo ist sie nur, die Zeit für uns selbst, die wir so nötig haben? Wir scheinen ihr immer ein wenig hinterher zu hinken.


Und trotzdem: Hier auf dem Land macht sie mir nun ein wenig Angst, die Zeit, in ihrer so gegenwärtigen Präsenz. Denn während man in den Städten immerhin ab und an von sich behaupten kann, man habe Zeit und sie somit wenigstens hier und da - hat man sie ersteinmal eingeholt - vereinzelt besitzt,  so hat man hier auf dem Land stets das Gefühl, der Besessene zu sein. Es ist ein wenig wie in der russischen Sprache, in der es das Verb "haben" so wie bei uns im Deutschen verwendet nicht gibt. Wenn man im Russischen also sagen will: "Ich habe einen Hut", dann muss man sich anders ausdrücken, und zwar mit Hilfe der Konstruktion "bei + Besitzer im Genitiv". Es heißt dann also: "Der Hut ist bei mir".
Die Zeit ist bei mir. Die Zeit ist bei mir.
Das klingt ungewohnt und so fühlt es sich auch an. Es regiert hier nicht länger der Besitzende den Gegenstand, sondern der Gegenstand den Besitzer. Die Zeit ist bei mir. Sie war bei mir heute morgen im halb 9, als ich aufstand und verschlafen die Treppen zu Ranko und Jamie runter polterte. Sie lag die ganze Nacht zuvor auf mir, als ich versuchte zu schlafen. Sie begeleitete mich dann hinaus in die raureifverhangene Luft, rechts den kleinen Waldweg hinauf zu der Koppel, auf der die zehn Hengste mir eine nervöse Minute nach der anderen die Karottenstückchen von der Hand fraßen, zumindest bis mir dieses eine gierige Vieh von einem Leithengst die Finger anknabberte und ich merkte, dass selbst meine Gliedmaßen in ihrer Existenz der Zeit unterworfen waren. Sie führte mich dann ein wenig erschrocken, aber stetigen Schrittes wieder den Weg zurück nach Hause, die Zeit, und wies mich ausdrücklich darauf hin, dass sie für Ranko langsamer verläuft als für Jamie und für Jamie schneller als für mich; so bildeten wir eine kleine Kolonne: Jamie an der Spitze der Zeit, ich in ihrer Mitte und Ranko an ihrem Ende.


Zu hause auf dem Ergotrainer wurde sie dann zum hetzerischen Dikator und ließ mich jede ihrer Minuten wie einen Peitschenhieb spüren. Unter der Dusche danach jedoch zeigte sie sich wieder respektvoll und wandte ihr Antlitz ab bis ich fertig war. Jetzt sitzt sie neben mir und schaut mir beim Schreiben zu.
Ich bin noch ein wenig misstrauisch ihr gegenüber. Ich weiß noch nicht so recht, ob sie mir Gutes oder Schlechtes will. Ich sehe wie Jamies Brustkorb sich gemächlich unter ihrem Gewicht hebt und senkt, das schwarze Fell schimmert in der Wintersonne, aber auch, wie Rankos dreizehnjähriges Labradorleben unter ihr ächzt und stöhnt. Und auf der Welt geht sie ganz normal weiter. In Deutschland werden Reformen von endlosen Debatten über ihre sinnvolle Nutzung geführt und dabei noch bevor Schlüsse gezogen werden von ihr verschluckt: Bye Bye, Pimp-My-HartzIV-Programm. In Ägypten auf den Straßen bleibt sie weiterhin stehen und holt tief Luft, bevor sie weiterrasen und ihren Rückstand aufholen muss. Und in Österreich hat sie Thomas Bernhard vor achtzig Jahren den musikalisch plappernden Mund zum ersten Mal Luft schnappen lassen, nur um ihn achtundfünfzig Jahre und drei Tage später wieder für immer zu versiegeln. Tja, aber hier in Belgien? Was treibt sie hier? Hier muss sie sich noch entscheiden, muss ich mich noch entscheiden, ob sie mein stiller Weggehfährte oder ein mich in Ketten legender Sklaventreiber  wird.



"Older Chests"

Older chests reveal themselves
Like a crack in a wall
Starting small, and grow in time
And we always seem to need the help
Of someone else
To mend that shelf
Too many books
Read me your favourite line

Papa went to other lands
And he found someone who understands
The ticking, and the western man's need to cry
He came back the other day, you know
Some things in life may change
And some things
They stay the same

Like time, there's always time
On my mind
So pass me by, I'll be fine
Just give me time

Older gents sit on the fence
With their cap in hand
Looking grand
They watch their city change
Children scream, or so it seems,
Louder than before
Out of doors, and into stores with bigger names
Mama tried to wash their faces
But these kids they lost their graces
And daddy lost at the races too many times

She broke down the other day, yeah you know
Some things in life may change
But some things they stay the same

Like time, there's always time
On my mind
So pass me by, I'll be fine
Just give me time
Time, there's always time
On my mind
Pass me by, I'll be fine
Just give me time

Verweise:
  • Die haben-Konstruktion im Russischen - http://www.russlandjournal.de/russisch/sprachuebungen/haben-nicht-haben/ 
  • Thomas Bernhard in seinem letzten Gespräch - http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13499672.html
Nachtrag, 18:04 :

1. Was labern denn die alle nur von Thomas Bernhard? Dostojewski ist heute vor 130 Jahren gestorben!
2. Wenn ich jogge, dann sind Jamie und ich in der gleichen Zeit :)

Sonntag, 21. November 2010

Alles bleibt.

Das ist alles mehr oder minder unerträglich, es ist die große allumfassende Unerträglichkeit. Über einem ist der Himmel und unter einem die Erde und das bleibt so. Alles bleibt.
Der Schmerz bleibt und der Tod bleibt. Die Häuser bleiben und die Straßen bleiben. Die Menschen bleiben. Die Elektrizität bleibt und Handys beiben, alte Telefonnummern, neue Telefonnummern, sie bleiben. Pro7 und der WDR bleibt. Manchmal wird Cola zu Pepsi. Die Bäume bleiben und die Ringbahn bleibt, leere Fabrikgebäude bleiben, und Straßenlaternen. Filme von Andrzej Zulawski bleiben und Lars von Triers Antichrist bleibt. Gaspar Noé sagt: "Enter the Void" und die Leere bleibt. Dann hört sie auf und fängt wieder an. Sie bleibt.
Und ich bleibe. Heute hier und morgen da, bei diesem und bei jenem, mit jenem und sellen. Der Sekt bleibt. Der Whiskey bleibt. Zigaretten bleiben. Myspace muss gehen. Aber Facebook bleibt. Blinkende Fensterchen am Bildschirmrand bleiben: "Hallo, wie geht's?" Smileys bleiben. Fröhliche Smileys, traurige Smileys, Zungerausstreck-Smileys, wütende Smileys. :sad: :happy: :kiss: :wave: :bla: Blablabla.
Gestern bleibt und vorgestern auch. Vor vier Jahren bleibt, damals bleibt, sogar als-ich-zwei-war bleibt. Fotos bleiben, Bücher bleiben, Emails bleiben, avi-Dateien bleiben, Wichseflecken bleiben, Leberflecken bleiben, Runzeln bleiben, Fettzellen bleiben, Hanfrückstände bleiben, Dellen bleiben, Atommüll bleibt. Nur Rolf Dieter Brinkmann macht weiter, aber der ist schon tot.
Alles bleibt. Sogar das Nichts. Und die Liebe. Aber wer will die haben? Die Müllmänner bleiben, die Zeitarbeiter bleiben, Hugo-Boss-Anzüge bleiben, das Lacostekrokodil bleibt, Flugzeuge bleiben, Abgase bleiben, tote Tierarten bleiben, mutierte Viren bleiben, der Zettel an der Wand bleibt: "And what are you gonna do about it?" Das Schweigen bleibt. In kleinen Räumen und großen Räumen, in Hohlräumen, in Hallen, auf Plätzen, in Kellern, auf Friedhöfen, in Köpfen, in Körpern, auf Radiosendern, in Smalltalks; es bleibt. Das Schweigen bleibt.













Mittwoch, 3. November 2010

Und SO funktioniert Presse...

Es geht um einen Artikel in Eine Zeitung in der Rubrik "HEREIN!". Für die derzeitige Ausgabe wurde unsere WG ausgewählt und vorgestellt. Kamerascheu wie ich bin, versteckte ich mich brav, als die Frau Journalistinnen letzten Sommer da waren und hielt mich in der Beobachterperspektive, wie schon damals, als das öffentliche Fernsehen bei uns rumeierte. Dann kam aber alles doch anders: Als meine Mitbewohnerin Sarah, die die WG hier gemeinsam mit Dirk mal so nebenher managed, die neuen Mitbewohner aussucht, die Miete einsammelt und überhaupt den ganzen Saustall regelt, nämlich aufgrund ihres Nicht-Studentenseins disqualifiziert wurde, die Interviewfragen zu beantworten, und mich daher bat, für sie einzuspringen, versuchte ich das nach so einer bescheuerten Aktion bereits sinkende Schiff noch zu retten.

Hier das via Email geführte Interview mit meinen O-Ton Antworten:

Eine Zeitung: Wie sind Sie da reingekommen?  
Ich: Über wg-gesucht.de. Bei einer Anzeige, die den Rahmen der möglichen Mitbewohneranzahl sprengt, wird man natürlich sofort neugierig. Ich war gerade in Berlin angekommen und hatte noch keine Bleibe, außer die Wohnküche einer Freundin, und rief sofort die angegebene Nummer an. Wenige Stunden später saß ich bereits entspannt in der schwarzen Couchgarnitur und unterhielt mich mit unserem Verwalter und "Papa" Dirk und ehe ich mich versah, war ein paar Tage später auch schon der Vertrag unterschrieben. Das ist jetzt 2 1/2 Jahre her.


EZ: Was gefällt Ihnen?
Ich: Die Menschen hier und die kommunikative Herausforderung. Man lernt sich zu verständigen und offen zu sein und vor allem lernt man auch Konflikte zu lösen. Am Ende seiner Zeit hier hat man ein gutes Insgesamtbild über die Spezies Mensch, denn hier lernt man so ziemlich alle Unterkategorien kennen: Architekten, Hartz IV-Empfänger, Künstler, Modedesigner, Schauspieler, Partytiere, Leseratten, Politiker und Frisösen; alles mit dabei. Und das dann auch noch in allen möglichen Sprachen und Kulturen: China, Frankreich, Schweiz, Spanien, USA, Kanada, Dänemark, Schweden, Italien. Wir könnten hier nen kleinen Freistaat gründen!

EZ: Was gefällt dir nicht?
Ich: Unser Internet kackt ständig ab und seine Ruhe haben ist oft schwierig. Außerdem gibt es Nutellaklauer und auch sonstige diebische Übergriffe in den Vorratskammern. Aber sonst fällt mir nichts ein. Das Phänomen, dass bei so vielen Leuten trotzdem nie Schlange für den Herd oder die Duschen oder die Toiletten gestanden werden muss, ist mir bis heute unbegreiflich, aber eine Tatsache.

Und jetzt kommt, was sie daraus gemacht haben:
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"Ein WG-Telefon für 22 Mitbewohner" [Anm.d.Verf.: Stimmt schonmal nicht, Wahrheitsverfälschung!]
Studenten öffnen ihre Wohnungstür. Diesmal: A Real Fishfäng in der internationalen Herberge in Berlin

Wo wohnen Sie? Unser Haus ist ein altes Backhaus. Zurzeit wohnen hier junge Leute aus China, Spanien, Indien, Finnland, der Schweiz, Frankreich, England, Österreich, Polen und Deutschland unter einem Dach. Einen Hund und eine Katze gibt es auch noch. Wie sind Sie da reingekommen? Über wg-gesucht.de. Bei den vielen Mitbewohnern bin ich sofort neugierig geworden. Günstig ist es auch: 260 Euro, alles inklusive. [Anm.d.Verf.: Stimmt nicht, woher nehmen die das nur?!] Was gefällt Ihnen? Die vielen Menschen - wir könnten einen kleinen Freistaat gründen! - und die kommunikative Herausforderung. Es gibt nur ein Festnetztelefon und einen Herd, trotzdem muss man nie Schlange stehen. Das ist phänomenal. Was gefällt Ihnen nicht? Das Internet kackt ständig ab, und es gibt Nutella-Diebe. Da wir alle in Mehrbettzimmern schlafen, hat man selten seine Ruhe. Wer darf einziehen? Mehr als drei Bewohner dürfen nicht aus dem gleichen Land kommen, sonst sprechen sie ihre Landessprache und weniger Deutsch. Gerade das wollen die meisten hier ja lernen. [Anm. d. Verf. Verfickte Hacke, bin ich denn Thilo Sarazzin oder was soll der Blödsinn?!]
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Ekelhaft...einfach nur e-k-e-l-h-a-f-t! Kinderchens, haltet euch von den Presseleuten fern. Die sind allesamt böse!

Dienstag, 2. November 2010

ZOMBIE!!

This year on Halloween it was finally time for me to strike one more point off my TIWADOL©-List (Things I Wanna Do in Life): Being a Zombie!
My plan was actually to be one in a splattermovie, but the Zombie Walk flash mob taking place in Berlin was a good practice to start with. And I didn't regret! We must have been around 300 zombies. The dancing zombies group performing a shortcut version for dummies of Michael Jackson's "Thriller" choreography consisted out of a special force of 20-25 superhighskilled and trained Ueberzombies, including me and some of my livingmates, and hell yes, we made those dead limbs dance:


BerlinCityMobber - Zombiewalk 2010 from Sascha Kaliga on Vimeo.


In case you are looking for me, I am the whore who got killed on the toilet while preparing her golden shot, when suddently Stagger Lee appeared kicking in the door aiming to first rape the shortskirted thing, then shoot her and finally slit her tummy! Which he did. So I, the zombieself of the naive doll, wasn't exactly in my best mood waking up there in the toilet looking like shit and having my coke spilled all over the place, my hair and my jacket. In fact I was a bit grumpy....




..even though I was in good company:



But well, as soon as me and my zombiemates were hitting the streets I actually got in a better mood, since I found out being a zombie is not that much different from being a whore: Walking the streets, dancing a bit here and there, biting some strangers in the neck, attacking only men...business is business!


For more pictures klick here  ( Copyright © picturereport.net)

So I'll be back there next year, probably playing a dead Mötley Crüe member or, I don't know, a Stuttgart 21 victim or I'll do the swedish version and pretend to be killed by Lasermannen 2. Hard choice!

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Liebe auf Akadämlich Part I

Heute war es also endlich soweit: Mein erstes Seminar an der hochwürdevollen, altehrwürdigen Humboldt Universität zu Berlin zu einem Thema, das die Menschheit schon seit jeher bewegt. Zu dem Thema überhaupt, denn ohne das Thema gäbe es uns Menschen nach Ansicht manch eines großen Denkers überhaupt gar nicht, zumindest nicht mehr seit irgendwer oder etwas da oben diesen Hebel mit der Beschriftung "Selbsterkenntnis" umgelegt hat und wir kategorisch angefangen haben uns mehr oder minder verdammt unwohl in der eigenen Haut zu fühlen.
Shakespeare gäbe es dann auch nicht. Also ohne das Thema. Und Blumensträuße, Blumensträuße gibt es auch nur wegen dem Thema, genauso wie Lebkuchenherzen und überhaupt alles, was zuckersüß und plüschig und rosa ist.


  Es könnte so schön sein ohne...

Selbstmord gäbe es ohne das Thema wohl auch nicht. Und Einsamkeit. Oder Isolation. Denn wenn es das besagte Thema überhaupt nicht gäbe, dann könnte man auch keinen Mangel oder eine Irrführung darin erfahren, es somit weder missen, noch idealisieren und sehr ruhig und unbedürftig, aber auch wesentlich unpassionierter und unindividueller, ein wenig grau und unheimlich plüschfrei sein Leben leben. Ich sage bewusst "sein Leben leben", denn genießen könnte man es dann wiederum nicht länger und ersteres auch nur bedingt, denn die großen Denker behaupten, in dem Moment, in dem es das Thema nicht mehr gäbe, würden wir Menschen uns vor lauter Langeweile gegenseitig die Köpfe einschlagen, und zwar diesmal so lang, bis wirklich keiner mehr übrig bliebe.


   Vielleicht lieber doch mit...

Meine Lieben, es ist natürlich ganz klar, wovon ich rede, denn ich habe es eben nun auch schon erwähnt, es geht um die Liebe! Jack Kerouac schrieb "Nobody ever dares to write the true story of love", aber die Humboldt Universität, personifiziert durch Prof. Dr. Glücklich* dares to talk about what might be the truth of love im Rahmen des Proseminars "Was ist Liebe?", worin eine praktische Philosophie zum Thema entwickelt werden soll und im Optimalfall danach aufs eigene Leben angewandt werden werden kann. [Futur II ist super]

Jedenfalls, wie gesagt, heute war es endlich soweit! Und ich war ganz aufgeregt. Enthusiastisch wie ich nunmal eben bin, wenn es um das Thema geht, hatte ich sogar bereits vor dem eigentlichen Beginn des Seminars die ersten Hausaufgaben gemacht: Den Reader hatte ich besorgt, die Struktur des Seminars entschlüsselt, den ersten Text von Platon gelesen. Ich war Feuer und Flamme: Platon, Aristoteles, Platin, Augustinus, Kant und dann zum triumphalen, aber auch vernichtenden Abschluss noch Nietzsche, was für ein herrliches Konglomerat aus gedachten Konzepten zum Thema von zeitlich so versetzten und sich in ihren Ansätzen unterscheidenden Menschen. Aber bevor es um die genauen Analysen jener Großen gehen soll, was haben andere sich noch so zu dem Thema gedacht? Eine kleine Sammlung:

"Love kills what needs it." DFW
"Schwächen  
Du hattest keine
Ich hatte eine
Ich liebte." Bertholt Brecht
"Love is how we call our ignorance of what whips us." John Barth
"Love! What is it? Most natural painkiller what there is. LOVE" William S. Burroughs
"You can't kill love. You can kill in-love, and loving, and even loveliness. You can kill them all, or numb them into dense, leaden regret, but you can't kill love itself. Love is the passionate search for a truth other than your own." Gregory David Roberts
"Wenn wir lernen wollen zu lieben, müssen wir genauso vorgehen, wie  wenn wir irgendeine andere Kunst, zum Beispiel Musik, Malerei, das Tischlerhandwerk oder die Kunst der Medizin oder die Technik lernen wollten." Erich Fromm

Das sind schon einmal reichlich viele Definitionen. Ich fasse zusammen: Die Liebe tötet also den, der sie braucht, ist selbst aber untötbar, obwohl sie an sich eine Schwäche ist und die Achillesferse manch eines Liebenden darstellt, wenn er auf seiner Suche nach der Wahrheit ausgepeitscht wird und das nur aushält, weil die Liebe  ein natürliches Schmerzmittel ist, für das man keinen Apotheker, sondern einen verinnerlichten Künstler braucht, der man von Natur aus nicht ist.
Gar nicht so einfach, würde ich mal sagen, beziehungsweise: höchst kontrovers. Und so erlebt ihr sie auch, liebe Leser, die Liebe; als etwas unglaublich komplexes, etwas kompliziertes, ein sich selbst widersprechendes Phänomen, das sich scheinbar jeder klaren Definition entzieht.

Das Paradox der Liebe hat für mich ein im Vergleich zu den eben genannten großen Namen eher unbekannter Name auf den Punkt gebracht, nämlich Daniel Johns, Sänger und Frontmann der australischen Band Silverchair und Held meiner Teenanger-Version (leider ausverkauft).


 ...liebte früher bis auf die Knochen und jetzt Natalie Imbruglia, also eigentlich immernoch Knochen.

Er sang in einem seiner Lieder des Albums Neon Ballroom, welches er übrigens komplett von der Außenwelt isoliert während einer sechsmonatigen (oder war es sogar ein Jahr? Ich weiß es nicht mehr) Panikattacke, in der er sich in sein Appartment einschloss, schrieb:
I love the way you love. But I hate the way I'm supposed to love you back. Remember today, I've no respect for you. And I miss you, love.
Das geht unter die Haut, würde ich mal sagen, was aber auch kein Wunder ist: Daniel hatte nämlich Anorexia und widmete dieses Album seiner Krankheit, die er auch sehr liebte und brauchte, allerdings im Sinne der DFWschen Definition und mit beinahe tödlichem Ausgang.

Ihr seht jedenfalls also, es gibt da meinerseits eine gewisse Erwartungshaltung gepaart mit einem gewissen Erfahrungswert gegenüber dem Thema und bin auch nicht ganz objektiv, was es anbelangt. Aber wer ist das schon? Der Traum vom objektiven Lieben wurde schon oft geträumt, aber meines Wissens nach nie dauerhaft realisiert und musste an dem einen oder anderen involvierten Subjekt scheitern. Dabei müssen die beiden Subjekte nicht einmal zwei Menschen sein. Es kann auch ein Mensch und eine Mutter sein. Oder ein Mensch und ein Gott...das Thema ist, wie man weiß, universal anwendbar und sogar darüber hinaus.

Soviel aber erst einmal für heute, denn ich persönlich liebe den ausreichenden Schlaf. Bald gibt es mehr zum Thema mit einer Wachsfigur namens Dr. Prof. Glücklich, einem sich leerenden Hörsaal und unterdrückten Impulsen, die wohl kaum etwas mit dem Thema zu tun hatten, sondern wohl eher mit seinem Antagonisten. Ich verrate so viel: Im Figurenkabinett des Schreckens die Liebe aufrecht zu erhalten überstieg die Möglichkeiten manch eines Studenten und auch ich kam an meine gefühlten Schmerzensgrenzen.



* der Autor versichert die Anonymisierung der genannten Person in seinen Beiträgen, garantiert seinen Lesern jedoch semantische Authentizität, soll heißen: Die (außerordentlich ironische) Wirkung des Namens in der Realität entspricht auch der in der Fiktion.

Freitag, 1. Oktober 2010

The greatest moments of my life [or: My Truths]

  • 1995: Writing my first love-poem which expressed what I actually meant and led to katharsis.
  • 1996: Seeing the sea for the first time.Touching eternity. Listening to the truth.
  • 1997: Summerrain. Almost bareskinned with as little clothes as possible on my body, the hot asphalt drowning under my feed, heavy raindrops on my outspread hands, the wish to die, now.
  • 1999: Skipping school to go and strawl in the woods, drinking from a sparkling creek, finding the skull of some animal while a fox stops and stares. Finding a rusty knife laid to my feet, cutting me free from dorny bushes..
  • 1999: Skipping school to go and sit on my favourite log for hours which seem endless, under me the Danube river, listening to music or else singing to myself and the soft swooshing and hissing underneath my dangling feed.
  • 2000: Winternight. Snow. Minusdegrees. I undress in the nearby park until I am all naked and allow the white to grow a bed for me, sofltly melting into its numbness.
  • 2001: My two best friends and me on the top of a hill in a ruin, which is ours. Light my fire, shadowcatching in the dark, Inquisition and the vastness of our misanthropic friendship gleaming in the night
  • 2005: Waking up, my drunk, having sex with a clear nightsky over me and a guy I couldn't remember I liked that much, but who turned out to be just as great as my drunk ingenuity had told me.
  • 2006: My best friend crawling under my skin and leaving me marked, smoothly engraving the eternity of one moment into my flesh where it reminds me of its greatness day after day.
  • 2006: Sweden. No plan, but Love. Great people. Changing clothes in public toilets, never knowing what to do next, searching for love in the crowded streets of Halmstad only to find it in a bloodstained room which released me into freedom.
  • 2006: Another him and the same me discovering that jumping upstairs is much more fun than jumping downstairs.
  • 2007: The sea. My bike. Lonliness. Silence and 760km from Hamburg all the way to Oslo.
  • 2007: The biggest loveencounter of my life in the toilet on the floor with toothpaste still clinging to my lips and all the passion a woman could wish for from a man who knew too much about the destructive power of it.
  • 2008: Reinventing myself in the big blue eyes of a swedish Hobbit, who remains until today my guide to brainfree happiness.
  • 2008: A night full of breaking whiskeyglasses, thickheads and bloodstains on my brain. Meeting yet another person who would teach me that only one point of view is never enough.
  • 2009: Reading this damn fine review in the taz about a book which should change my life forever..
  • 2009: Jumping from a cliff at the italian coastline in front of the eyes of some really good people!
  • 2010: Learning once more while facing the egyptian desert, being surrounded by the eternity of death, that I cannot run away from myself.
  • 2010: Hobobike and me again. Danish coasts deserted. Boiling rice on a gascooker and burning candles in my tent while reading those books..oh, all those books...and feeling those miles in my body, oh, all those miles.
  • 2010: Allowing the truth to prevail and fighting fire with fire, stepping out of reason and experiencing stupid bravery, gaining trust to myself and losing trust to others. Growing into a lonliness which brings me closer to myself than I've ever been before and leads me away from others, who I do not want to follow me anyway.
  • 2010: Finally. I jumped off a swing at the highest point of flight!

And here the list must stop, because the remaining past is still too much today to be ripe enough to be measured compared to a lifetime.

Donnerstag, 26. August 2010

Arbeiten

Hurra, ich bin genormt.

Ich werde jetzt offiziell "gebraucht" und bin "Teil eines Teams". Wenn ich zwei Mal die Woche von sechs bis acht Uhr morgens nicht im Restaurant Salisch erscheine, dann wird das dortige Frühstücksbuffet zum Hauptversammlungsort für verunsicherte Hotelveteranen, die im Falle meiner Abwesenheit verwirrt und verloren durch das fremde Territorium wanken und verzweifelt und vergebens nach dem Lebenselexier Kaffee suchen. Ich bin ihr Tea-Ranger und El Kommandante del Caféolé: "Immer mir nach, hierher, vorbei an der Bar in Richtung Müslitheke, achtung, Stuhlbeinstolperfalle!". Und wenn die Strapazen dann vorbei und die Bäuchlein voll sind, dann sehen sie zu mir auf, meine Kaffeejünger, und sind froh, dass ich da bin, denn so dürfen sie das Frühstücksschlachtfeld marmeladenbefleckt ganz gewissenlos verlassen.
Im Grunde könnte ich mich hier wohl fühlen. Eigentlich. Ein Kaffeeheld ist doch immerhin besser als ein Pantoffelheld und statt existenzieller Fragen ohne Antwort beschäftigen mich hier zur Abwechslung mal Aufgaben mit konkreter Lösung: Wie transportiere ich vier Teller, vier Tassen und vier Gläser auf einmal? (Antwort: Indem ich zwei Mal laufe) Wie funktioniert der Kellner-Storno? (Antwort: So wie ich es bisher versucht habe jedenfalls nicht) Welche Nummer hat der Tisch im Wintergarten hinten rechts und habe ich Tisch zwölf vorne im Eingangsbereich schon boniert? (Antwort: Mist, war ja gar nicht die zwölf, sondern die drei, wie buche ich jetzt nochmal wieder um?)
Statt mich nach dem Sinn zu fragen, erlerne ich hier jetzt ganz einfach nur noch die vorgegebene Routine: Erst lächeln, dann ansprechen, dann warten, dann Bestellung aufnehmen, Kasse, Kaffee, O-Saft, Tablett - und los! Halt stopp: Lächeln nicht vergessen!

Von wegen...

Und genau hier liegt der Hund begraben: Wenn man ans Lächeln denken muss, dann kommt es schließlich nicht von selbst und wenn man nicht lächelt, dann verwest irgendwo ein toter Vierbeiner vor sich hin. Ich kann nicht einmal lesen auf der Arbeit! In die Zeitung schauen ist so eine Art Todsünde, wenigstens darf ich mir immer die besten Artikel vorm Vortag ausschnippeln. Nonstop muss ich beschäftigt sein. Wenn mal niemand da und das Restaurant leer ist, dann soll ich die Bibliothek abstauben, Allan Ginsbergs "Howl" und "Berlin Alexanderplatz" mit einem Lappen abwischen, was irgendwie erotisch ist, aber Zeit darüber nachzudenken, warum eigentlich, habe ich nicht, denn dann muss man das Besteck polieren und die Servietten falten. Theoretisch könnte man bei beiden Tätigkeiten die Gedanken endlich mal schweifen lassen, aber ich bin ja noch ein blutiger Anfänger und meine Kollegin, die um acht ihre Schicht begonnen hat, quakt mich voll: "Hast du heute schon Blumen bestellt?" "Nö, hat mir niemand gesagt." "Und den Kaffee, hast du den bestellt? Den darfst du übrigens nie offen lassen." "Ich wollt doch aber eh gleich.." "Ist ja schon ok, du bist ja noch neu." Und so geht das immer weiter und ich werd immer wütender über ihren Salischjargon, als wär ich schon seit fünf Jahren Servicekraft hier, also platz ich irgendwann: "Lass mich doch einfach mal machen und vertrau mir ein bisschen. Das hier ist meine dritte Schicht, ich tu mein bestes, aber hör auf nur in Tischnummern und Kassenkauderwelsch zu reden, ich fühl mich unnütz wie einer der Blumenstängel, die du da gerade abschneidest!" Sie ist beleidigt, tut aber so, als wäre sie es nicht, als ich mich später für meine Rüffel entschuldige und ich bin gefrustet und habe keine Lust mehr sie um Hilfe zu bitten, als ich überfordert bin.
Das Resultat bin ich komplett in Schweiß gebadet und mit zittrigen Händen und Knien als mein Chef das Restaurant betritt: "Daniela, was ist denn mit dir passiert?" "Ich hab die Barhocker alleine hochgetragen."
Er hält mir einen Vortrag über "Teamgeist" und "Anfangsschwierigkeiten" und ich schau auf die Uhr und denke mir: "Nur noch eine Stunde."

Und jetzt?

Weitermachen. Zähne zusammenbeißen. Den ganzen Disziplinquatsch eben. Aber es ist wie immer eine herbe Ernüchterung auf die Frage "Wozu das Ganze?" nur eine Antwort zu finden: Geld.


...in meinem Fall wohl eher "am ersten Tag", "am dritten Tag", "am fünften Tag".



Sonntag, 15. August 2010

August 2009 - August 2010: Leseauswertung

Die Billanz eines Jahres: mehr als 10.000 Seiten und zweidutzend Bücher. 
Eine Auswahl der Besten:

Die Superben:

 

David Foster Wallace - Unendlicher Spaß
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Fjodor M. Dostojewskij - Schuld und Sühne, 734 Seiten
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Fjodor M. Dostojewskij - Notes from the Underground,  85 Seiten
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Jack Kerouac - Big Sur, 241 Seiten
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Ken Kesey - One flew over the cuckoo's nest, 311
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Erich Fromm - Die Kunst des Liebens, 160 Seiten
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Paul Auster - New York Triology, 384 Seiten
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Ludger Lütkehaus - Nichts. Abschied vom Sein. Ende der Angst, 765 Seiten (habe es allerdings nur bis Seite 500 geschafft..vorerst)

  

Peter Handke - Als das Wünschen noch geholfen hat, 116 Seiten
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M. Anthony Penwill (und Lindsay Seers) - It has to be this Way², 175 Seiten
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Alice Miller - The Drama of the Gifted Child, 136 Seiten

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Die Guten:


Gregory David Roberts - Shantaram, 944 Seiten
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Henry Miller - Sexus, 505 Seiten
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Stefan Hirt - The Iron Bars of Freedom. David Foster Wallace and the Postmodern Self, 149 Seiten
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Albert Camus - Der Fremde, 160 Seiten
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Albert Camus - Die Pest, 182 Seiten
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David Foster Wallace - Der Besen im System, 624 Seiten
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David Foster Wallace - Brief Interviews with Hideous Men, 272 Seiten
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Haruki Murakami - Sputnik Sweetheart, 222 Seiten 

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Die halbwegs Guten:


David Lipsky - Although of course you end up becoming yourself. A Roadtrip with David Foster Wallace, 320 Seiten 
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Philip Roth - Exit Ghost, 296 Seiten
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John Barth - Lost in the Funhouse, 201 Seiten (wobei die erste Kurzgeschichte aus selbigem in die Katagorie (Giga-)Superb gehören würde)
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Für das kommende Jahr stehen im Regal:


William Gibson - Neuromancer
Jeffrey Eugendes - Middlesex
Dave Eggers - A Heartbreaking Work of Staggering Genius
Erich Fromm - Haben oder Sein
Malcolm Lowry - Under the Volcano
Marc Costello - Big If
J.D. Salinger - Catrcher in the Rye
Fjodor Dostojewskij - Die Brüder Karamasow

..wovon ich vermutlich nicht mal drei schaffen werde, denn der Real Fishfäng zieht sich sein Kreuz wieder auf und geht Studieren und Arbeiten. Ade, schöne Welt.

Samstag, 14. August 2010

What keeps us going..

..are the unspoken laws which tell us:

  • If you fail, try again. Fail better.
  • If the system breaks you, break the system.
  • If only fakeknowledge gets rewarded,  neglect the truth.
  • If money offers life, then without money there is no meaning and without meaning there is no life.
Our Redemption, the way out of our misery, is the wooden Cross which we are willing ourselves to wear until we finally grow into Heaven, where we will hit our Fathers` faces for creating without thinking. Choose Life, they said. Choose Life.  But the more we thought about it the heavier it dwelt on our shoulders; deeper and deeper it carved itself into our flesh, until finally it pierced through and here we are now; impaled into a cloudless dead sky, right into the loving eyes of our crying old men..Now, who failed better?

Dienstag, 10. August 2010

Lebe.

Der März:

Im Zug sitzen, irgendwohin, und nicht mehr zurück kommen. Raus aus der Stadt und weg von den Leuten und allen Banalitäten. Kein Rock'n'Roll mehr. Ausserhalb der Stadt brauchen wir keine Rebellion und keine Aufmerksamkeit, dort, wo Freunde wirklich Freunde sind, die dich dafür mögen, dass du du bist; wo es normal ist zu verzichten und ständiger Konsum kein still schreiendes Gebot; wo man nichts haben darf und trotzdem etwas wert ist. Da draussen gibt es keine Schminke und kein H&M, kein aufgesetztes Lächeln zu grellem Blitzlicht und kein V+Veltinsbier. Keine Zigaretten mit Minzgeschmack oder ferngesteuerte Badeenten, keine Campari-Mundgeruchtilger und keine verzweifelten Graffitis á la "Ich bin noch da, ihr seht mich nur nicht mehr".
Klar gibt es da draussen harte Zeiten. Da gibt es Kälte, Verdruss, schlechtes Wetter und Hilflosigkeit. Aber das ist doch ok. In der Stadt ist der optimale Zustand auch nie von Dauer. Eine Optimal-Dauerkarte gibt es nicht.
Letztendlich hängt alles von deiner Entscheidung ab, wer du sein willst und wer du nicht bist.
Die Wahrheit liegt nicht in den Nächten, in denen wir zusammen sitzen und uns betrinken, das ist alles nur ein Spiel, das Spass macht, aber niemals glücklich. Spass ist an die Momente gebunden, kurz und flüchtig, aber Glück..Glück ist anders. Es muss anders sein, und es ist nur deine eigene Angst, die dich davon abhält.

Der April:

Ich weiss, dass ich es geschafft habe und dass es richtig ist, nicht, weil mir niemand mehr widerspricht, sondern weil ich weiss, dass mir niemand mehr widersprechen kann.
Ich habe keine Angst mehr vor irgendwas, aber ich kenne meine Grenzen.
Ich weiss, dass ich nicht leben muss, aber dass ich es möchte und dass ich glücklich sterben würde, wenn ich es wollte.
Ich weiss, dass ich lieben will, auch wenn es weh tut, geradezu weil es weh tut, aber nicht mehr, damit es weh tut.
Ich weiss, dass dieses Gefühl, das ich hier eben beschreibe nicht bleiben wird, aber ich werde nie vergessen, dass es da war und das ist schon mehr, als ich bis vor kurzem noch zu wünschen gewagt hätte.

"alone in one's boat, alone with one's sorrow, alone with one's despair - which one is cowardly enough to prefer to keep rather than to submit to the pain of healing"

- not anymore!



"...And if our weakness has been to confuse the bright and bloody colors of our calendars with the true weather of days, and the parchment's territory of our maps with the land spread out before us...never mind. We've always been on our way to this new place, that is no place really, but is real..."

Dienstag, 13. Juli 2010

Amateurdetektiv bei der Arbeit

Auf meiner Tour hatte ich ja dieses leere Haus an der Havel entdeckt, wovon ich bereits berichtet habe. Wo es von außen recht beschaulich und geradezu idyllisch wirkte, bildeten seine Innereien das krasse Gegenprogramm: Möbel, Hygieneartikel und Reste aus den Küchenvorräten, Spiegel, Malerfarbe und persönliche Gegenstände wie Briefe, Miniatursoldaten und ein Kill Bill-Poster - alles lag zerdeppert, durcheinander, zerschlissen und zersplittert im Haus verteilt.









Ich fand Briefe und konnte mir anhand ihrer Poststempel und dem Verfallsdatum von Vitalis-Müslipackungen und Knorr-Tomatensuppen zusammen reimen, dass am Zustand dieses Hauses seit 2006 wohl nichts verändert worden ist. Vier Jahre hat sich niemand darum gekümmert und alles so sein lassen, wie es ist. Keine Aufräumarbeiten, keine Mühen um neue Nachmieter. Anscheinend war das Haus also im Privatbesitz gewesen und es gibt keinen Vermieter oder Immobilienhai, keinen Vertrag und keine Zuständigen dahinter.

Heute habe ich begonnen anhand der Briefe, die ich gefunden und teilweise mitgenommen habe, zu recherchieren. Sabrina und Alexander, die beiden Nazi-Turteltäubchen, die sich gegenseitig die innigsten Liebesschwüre auf Landser-Logos zu senden pflegten, sind leider aber unauffindbar:

Sabrina ist nicht in den Seiten des Örtlichen verzeichnet und somit vermutlich umgezogen, tot, im Gefänginis, verschollen, entführt, eine Neupennerin oder ähnliches.
Die Suche nach Alex stellte sich als besonders mysteriös heraus. Sabrinas Briefe waren nämlich nicht an das Haus an der Havel, sondern an "MA Industrieabbruch" adressiert. Aber "MA Industrieabbruch" im Papenbergerweg 10-20 gibt es nicht. Am Papenbergerweg 10-20 ist das verlassene Gelände des ehemaligen Kraftwerks Oberhavel, das anscheinend bereits 2001 stillgelegt wurde:





Ich konnte leider nur einen Artikel über das stillgelegte Kraftwerk finden, der privat publiziert wurde, also keine sichere Quelle ist, aber dort heißt es:

"Kraftlos und schwerbeschädigt steht das Kraftwerk Oberhavel da. Dass hier fast hundert Jahre lang unvorstellbar große Mengen Kohle in Elektrizität verwandelt wurden, davon wird man bald nichts mehr sehen können.
Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war hier das „Kraftwerk Spandau“ errichtet worden, das aber im Krieg schwer beschädigt und danach demontiert wurde. 1961 weihte Willy Brandt das Kraftwerk Oberhavel als Nachfolger ein, das mit seinen beiden 100 MW-Blöcken schon 2001 stillgelegt wurde. Zunächst sollte es als „kalte Reserve“ dienen, nun wird es vollständig weichen müssen."(Quelle: http://vilmoskoerte.wordpress.com/2007/02/17/kraftwerk-oberhavel-in-berlin/)

Die Google-Satellitenkarte zeigt mir, dass das Gelände immernoch scheinbar verlassen daliegt. Ich plane daher baldigst eine kleine Fahrradtour, um mir ein eigenes Bild zu machen.

Aber das ganze kommt mir wirklich seltsam vor: Wie sollen denn die Briefe an eine Adresse gelangt sein, die es in dem Sinne nicht mehr gibt? Warum hat Sabrina die Briefe dorthin und nicht nach Hause zu Alex geschickt? War Alex vielleicht von zu Hause abgehauen und hatte sich in dem verlassenen Gelände eingerichtet? Aber warum waren die Briefe dann bei ihm zu Hause?

Die Briefe geben leider überhaupt nichts her, außer:

"Ich liebe Dich über alles mein Engel und lasse dich nicht mehr von mir gehen!! Du bist mein Glück und mein Leben!! Ich liebe Dich, Sabrina"

oder

"Mein geliebter Engel,
heute ist Freitag und ich bin traurig, dass ich 2 Tage kellnern muss, ansonsten hätten wir und vielleicht schon früher gesehen! Ich zähle die Stunden bis Du endlich wieder bei mir bist, denn du fehlst mir soooo! Ich liebe Dich, mein Glücksstern, lass Dir nichts von anderen erzählen. Meine Gefühle für dich sind tief und ehrlich. Du bist mein Traummann, auch wenn andere das nicht begreifen wollen...
" etc. etc.

Schade, dass "Sabrinas Engel" keine Kopien seiner jeweiligen Wortergüsse für die Archivierung dieses herzzerreißenden Briefwechsels anlegte. So entsteht doch ein recht einseitiges Bild der Spandauer Bonny & Clydes.

Also was ist dort passiert? Wie kann es sein, dass ein Haus vier Jahre lang so komplett zerstört in einer schönen Wohngegend direkt an der Havel daliegt? Wo sind die Leute, die dort einmal gewohnt haben?

Wilde Theorien sind mir sehr willkommen - was meint ihr? Spinne ich vielleicht rum und das Ganze ist total simpel zu erklären? Habe ich Fehler in der Recherche gemacht?


Und könnt ihr schon das X-File Theme im Hintergrund hören?

Dienstag, 29. Juni 2010

Existenzialismus auf die Probe gestellt

Innerhalb der letzten drei Tage sind mir folgende Dinge - wenn auch teilweise nur kurzfristig - abhanden gekommen:

1. Mein Handy
2. Mein Zelt
3. Mein Sonnenschein
4. Mein Laptop
5. Meine EC-Karte

Daher wurde ich auf die Probe gestellt: Wie unabhängig von "Dingen" bin ich tatsächlich?


1. Mein Handy
Es begann alles irgendwo zwischen Ulslev- und Tunderupstrand während meiner Fahrradtour. Ich wollte die Uhrzeit checken, denn ich war sehr in Eile. Innerhalb von 8 Stunden musste ich heute die Strecke Fakse Ladeplats bis Gedser schaffen (das sind auf der Route so ungefähr 130km), um noch vor Ende des Tages in Rostock zu sein, und hatte gerade mal die Hälfte geschafft.
Gegen 11 Uhr mittags hatte ich die Nachricht einer Freundin erhalten, die nur noch für zwei Tage in Berlin sein sollte, bevor sie wieder nach München abreiste. Daher plante ich die Tour, die eigentlich noch drei Tage in Anspruch genommen hätte, radikal zu verkürzen und Rostock schnellstmöglich zu erreichen, um von dort den Zug nach Berlin zu nehmen.
Ich wollte also, wie gesagt, zu dem Zwecke die Uhrzeit checken, ob ich denn auch gut in der Zeit lag. Ich begann ohne die Fahrt zu unterbrechen in der Lenkertasche meines Rads nach meinem Nokia Cybershot zu kramen, denn eine andere Uhr hatte ich nicht. Nach drei Minuten vergeblichen Kramen hielt ich jedoch an und begann nun systrematisch zu suchen: Notizbuch, Karte, Kerzen, Buch, Bananen, Kompass, Batterien..alles da. Nur mein Handy nicht.
Meinen letzten Stop hatte ich 8km entfernt eingelegt. Für einen Moment zog ich in Erwägung zurück zu fahren und die Stelle am Strand zu finden, wo ich die Verschnaufpause eingelegt hatte. Aber 16km Umweg alles in allem? Und womöglich war mein Handy dann nicht einmal dort. Was, wenn es irgendwie auf dem Weg verloren gegangen war? Dem Sonnenstand nach zu urteilen war es schon später Nachmittag. Viel Zeit würde ich nicht mehr bis zur 19 Uhr-Fähre haben.
Und hatte ich nicht sowieso im Laufe der Philip Roth-Lektüre darüber nachgedacht, wie unheimlich das Handy an sich eigentlich ist? Wie sehr man sich davon abhängig gemacht hat in den letzten zehn Jahren und daher zwangsweise ständig das Gefühl hat, etwas wichtiges zu verpassen oder ausgeschlossen zu sein, wenn es einmal weg ist. Ich fühlte mich plötzlich angreifbar und ein wenig hilflos. Wenn mir jetzt was auf dem Weg passiert, wenn ich falle und mir ein Bein breche, was mache ich denn dann? -dachte ich. Dann wartest du eben, bis jemand kommt - kam die Antwort.
Aber wenn jemand es findet und mir eine Monsterrechnung zusammentelefoniert? - fragte ich mich weiter. Pf! Wenn es überhaupt jemand hier in der Pampa findet, dann vermutlich ein Eichhörnchen - kam die Antwort.
Ich zauderte nicht weiter lange und fuhr weiter. Und innerhalb von wenigen Minuten hatte ich mein Handy vergessen.
Die Fähre in Gedser erreichte ich tatsächlich. Allerdings nur, da sie fünf Minuten Verspätung hatte. Vom Ticketschalter konnte ich direkt in das aufgesperrte Riesenmaul der "Prinz Joachim" fahren. Hätte ich nur einige Minuten länger gezögert, um weitere Gedanken an das Mobiltelefon zu verschweden, dann hätte ich es nicht geschafft.


2. Mein Zelt
In Rostock angekommen fuhr ich gemächlich die letzten 10km vom Hafen zum Bahnhof durch einen intensiv glühenden Sonnenuntergang und war frohen Gemüts. Es war gerade mal 21:20, bestimmt würde der letzte Zug nach Berlin erst zwischen 23 und 0 Uhr abfahren. Dies waren die Gedanken einer hoffnunglos verwöhnten Großstädtlerin.
Leider aber währten sie nicht lange. Als ich am Bahnhof ankam, war er menschenleer, die Anzeigetafel eine Tabula Rasa und der erste Zug nach Berlin fuhr erst wieder morgens um halb sieben.
Ich steckte fest. Dieses Rostock hatte etwas von einem verfluchten Ort an sich, dachte ich mir, immerhin war ich auf der Hinreise nach Dänemark aufgrund eines platten Reifens mitten auf einer asphaltierten Straße, die definitiv frei von Scherben, spitzen Steinchen oder sonstige scharfkantigen Gegenstände gewesen war, ebenfalls hier versackt. Das ganze hörte sich wie der Anfang von Stephen Kings "Tommyknockers" an. Aber gut, von mir aus, sollten die bösen Geister doch kommen und mir sagen, was sie wollten. Ich würde die Nacht einfach durchmachen und auf sie warten, denn die Option couchsurfing schied aus. Es war spät in der Nacht und ich hatte kein Handy, um jemanden anzurufen. Geld für ein Hotel wollte ich auch nicht ausgeben und eine Bahnhofsmission gab es nicht.
Um mir die Zeit zu vertreiben, machte ich mich auf den Weg ein Internetcafé zu finden, damit ich der Freundin in Berlin Bescheid über meinen und den Verbleib meines Handys geben konnte und fand in der Nähe des Hafens ich eine Spielothek.
Da ich während meines ersten Aufenthalts in Rosrock bereits über die stadtinterne Fahrradkleptomanie ihrer Bürger aufgeklärt worden war, verbrachte ich gute zehn Minuten damit, die umliegenden Seitenstraßen abzufahren, um einen sicheren Ort für Hobobike zu finden. Ich fand ihn schließlich in einer kaum beleuchteten Straße, hinter einem Strauch an einem Stahlgitter. Ich schloss Hobobike mit seinem engen Freund Abus ab und stand nun jedoch vor einem neuen, diesmal mathematischen Problem: Gegeben sind zwei Satteltaschen, ein Schlafsack, ein Zelt, eine Lenkertasche und eine Thermosflasche. Sie müssen von A nach B getragen werden, der Abstand beträgt 500m. Es gibt nur einen menschlichen Lastträger am Punkt A. Wie transportieren sie die genannten Gegenstände alle auf einmal nach B?
Tja.
Ich ging prioritär und psychologisch vor: Teure Ortliebsatteltaschen reizen den Kleptomanten schon aufgrund ihres geheimnisvollen Schultütencharakters mehr als ein Schlafsack in einem verranzten Müllsack, auch wenn der Müll und die dreckige Wäsche tatsächlich in der Ortliebtasche sind. Und das Zelt bräuchte ich vorerst nicht mehr.
Also schulterte ich die genannten drei Taschen zuzüglich zu der Hüfttasche, die ich eh 24/7 während der Tour mit mir rumtrug, und machte mich auf dem Weg zur Spielothek.

Als ich zurückkam, war das Zelt weg. Es hatte unter dem Schlafsack gelegen und beide waren mit einem elastischen Seil festgezurrt auf dem Gespäckträger befestigt gewesen, aber da war es jetzt nicht mehr. Wenigstens schien meine Mülltütenthese jedoch richtig gewesen zu sein, denn der Schlafsack war es noch, die Legende über Rostocks Kleptomanie allerdings auch.
Naja, dachte ich mir, Stadt eben. Und einmal wieder, wie so oft schon auf der Reise, wunderte ich mich über die Absurdität der Frage: "Hast du denn keine Angst?", die mir am häufigsten auf dem Weg gestellt worden war. Warum denn? - schien für mich die klare Antwort. Da sind so gut wie keine Menschen unterwegs auf den Strecken, die ich fahre, und die, die da sind, sind meistens 50+ und suchen nichts weiter als einen ruhigen Lebensabend. Wovor genau soll man da nochmal Angst haben? Vor Diebstahl, Raub und Gewalt? Oder doch nur vor den Eichhörnchen, die mir in diesem Moment eine Monstertelefonrechnung telefonieren könnten?
Ab dem dritten Tag beantwortete ich die mich verfolgende Frage nur noch mit: "Nein, ich komme aus Berlin".


3. Mein Sonnenschein
Ankunft in Berlin um halb 10 morgens nach einer durchwachten Nacht. Nachdem ich noch eine Nachricht an die Diebe meines Zeltes hinterlassen hatte - man weiß ja nie, Täter kehren oft und gerne an den Tatort zurück - hatte ich mich in der Nacht zuvor nach der zeltkleptomansischen Episode zu Fuß auf den Weg zurück zum Bahnhof gemacht, wo ich um drei Uhr morgens ankam und bis zur Ankunft des Zuges in meine Decke gemummelt Shantaram gelesen hatte. Glücklicherweise traf ich kurz vor Abfahrt des Zuges eine junge italienische Studentin mit ihrer Mutter und ihrem Freund, die mich mit ihrem Wochenendticket nach Berlin mitnahmen. Das so gesparte Geld verbuchte ich in Gedanken sofort auf mein Neues-Zelt-Konto.
Als ich in Gesundbrunnen ausstieg und Richtung Weissensee fuhr, erschlug mich die schwüle Hitze nach dem milden Küstenwetter der letzten Wochen. Zu Hause angekommen duschte ich sofort und setzte mich dann frisch und voller Elan im Sommerkleid mit meiner Freundin gemeinsam auf die Terrasse in den Sonnenschein. Kurz darauf gingen wir in die Kastanienallee zum Brunchen und saßen draußen auf ein paar Bierbänken in der prallen Hitze. Anschließend machten wir einen kleinen Spaziergang durch den Mauerpark, in dem es bekanntlich wie in Arizona auf der Steppe aussieht: Kein Schatten weit und breit, nur Steine und gelbes Gras. Nachmittags dann das Fußballspiel Deutschland - England und eine anschließende ausgedehnte Tour vom Alexanderplatz zur Fanmeile durch den Tiergarten und wieder zurück.
Das Resultat dieser schönen Outdooraktivitäten waren hunderte von kleinen Püstelchen auf meinen Armen und Beinen. Ich kenne das Phänomen nur allzu gut: Mein Vater hat eine Lichtallergie, umgangssprachlich auch als Sonnenallergie bekannt. Die Ärzte hatten mir gesagt, dass die Krankheit unter Umständen erblich ist. Als ich um die 20 war hatten sie mir allerdings auch gesagt, dass die Gefahr der Vererbung wohl vorbei und ich von der Krankheit verschont geblieben sei.
Jedes Jahr seit der ersten Vorwarnung war ich froh gewesen um jeden Tag, den ich freiärmlig, kurzbeinig, im Bikini, draußen im Freien, schwitzend in der Sonne verbringen konnte. Denn irgendwo hatte ich immer, auch nach den hoffnungsschöpfenden Worten der Ärzte am Ende meines Teenager-Daseins, das leichte Gefühl gehabt, dass es irgendwann mit dem Sonnenschein vorbei sein könnte.

(Mittlerweile stellte sich heraus, dass es sich wohl doch nur um eine Stressreaktion meiner Haut auf die körperliche Belastung gehandelt hatte. Nach dreieinhalb Tagen Kortison verschwanden die juckenden Stellen und sind seither nicht mehr wieder aufgetaucht.)

Immerhin ist im starken Kontrast zu diesen schlechten Nachrichten allerdings ein kleines Wunder passiert: Relativ halbherzig, da Eichhörnchen nicht schreiben können, habe ich am Tag meiner Heimkehr vom Handy einer Mitbewohnerin aus eine SMS an meine Handynummer geschrieben:"Dear Finder! This cellphone belongs to A Real Fishfäng. You can contact me under following address: fishy@googlefäng.com Thank you very much."
Entgegen all meiner Erwartungen erhielt ich noch am selben Tag eine Antwort und das Handy ist nun auf dem Weg zurück zu mir.

4. Mein Laptop

Mein Laptop, bzw. eigentlich Lauras Laptop, den sie mir auf unabsehbare Zeit "geborgt" hatte, war in einer Schublade verstaut im Wohnzimmer meiner WG gewesen. Da ist er jetzt nicht mehr. Und sonst auch nirgendwo.

5. Meine EC-Karte

In der Apotheke heute musste ich feststellen, dass meine EC-Karte nicht mehr in meinem Geldbeutel war. Für eine unsichere halbe Stunde musste ich davon ausgehen, dass ich sie verloren hatte, bis ich sie zwischen den Buchseiten eines vorgestern ergatterten Erich Fromms fand, wo sie aus Versehen hineingerutscht sein musste.
Innerhalb dieser halben Stunde kam ich an meine nervlichen Grenzen und aller Stoizismus fiel von mir ab. Ich wünschte mich in ein verdammtes Squatt irgendwo in Indien (--> Shantaram-Lektüre), wo man keine Laptops, Karten, Papierchen, Zettelchen, technische Firlefanzereien und sonstigen modernen Gesellschaftskladeradatsch brauchte, lachte aber im selben Moment über den Gedanken, da es sich mit einer Lichtallergie schlecht in einem so heißen Land leben lassen würde. Und lachte weiter, da ich Mimöschen schon wegen ein paar Püstelchen auf der Haut zur Apotheke rannte, sowas gibt es in Squatts nämlich im herkömmlichen Sinne nicht.


Wo ist also mein Platz?
Und soll ich mein Handy behalten, wenn es tatsächlich hier ankommt?
Brauche ich einen neuen Laptop?
Und von welchen Süchten darf man sich heutzutage frei machen ohne dass man in der Gesellschaft verloren ist - heutzutage, wo das Internet der neue Gott und das Handy eine Art natürliche Armverlängerung ist, in einer Stadt, in der alles erlaubt ist, außer kein Geld mehr haben?

......? - kam die Antwort.

Sonntag, 20. Juni 2010

Meine Zeugnisse



Meine Zeugnisse - wären sie in Reichweite, würde ich sie bis auf einige Ausnahmen alle verbrennen. Die Ausnahmen wären hierbei vor allem meine Grundschulzeugnisse, in denen meine damalige Klassenlehrerin Frau Klappoth in feinstsäuberlicher Schrift echt nette und vor allem wahre Sachen über mich geschrieben hat, indem sie akkurat beschrieb, was meine Stärken und was meine Schwächen waren (sind).

Auch die von meinem Deutsch- und Lateinlehrer ausgestellten Zeugnisse noch während der Unterstufe später am Gymnasium würde ich bewahren. Immerhin war ich seine "Lieblingsschülerin", bevor ich Grufti und dann Metallerin wurde, und er war mein "Lieblingslehrer" bis zum bitteren Ende, bis er mir nach Abgabe meiner Besonderen Lernleistung in der 12. Klasse - einem Essay zu Friedrich Schillers "Die Räuber" mit gesellschaftskritischer Stellungnahme am Ende - Abschreiben unterstellte. "So kann unmöglich eine 17-jährige denken", sagte er mir damals. Ich war zu dem Zeitpunkt nicht clever genug gewesen, um diesen Angriff von ihm rhetorisch in ein Kompliment umzuwandeln und ruhigen Blutes Stellung zu nehmen. Stattdessen wurde ich stinkewütend und schmiss Herrn Vogel beleidigt und ohne zu Zaudern in die von mir kreierte und zu jener Zeit bereits ziemlich überfüllte nietzeanische Untermenschkategorie. Wahrscheinlich hat er mir deswegen nie den Brief beantwortet, den ich ihm ca. zwei Jahre später aus Schweden schrieb und in dem ich mich entschuldigte oder zumindest versuchte mein Verhalten zu erklären. Immerhin war ich, wie ich zum Zeitpunkt des Briefes endlich eingesehen hatte, unter der ganzen Wut und Ignoranz nur enttäuscht und verletzt gewesen, damals, als mein Mentor scheinbar den Glauben an mich verloren hatte.

Diese Zeugnisse würde ich also behalten, da sie tatsächlich sind, was sie sein sollten: Zeugenberichte aus der damaligen Zeit, die etwas über mich aussagen. Und für sie habe ich nichts anderes getan, ausser ich zu sein und zu existieren.

Ganz im Gegensatz zu den Anforderungen, die dann später an mich gestellt wurden, damit ich ein Zeugnis bekommen würde.
Ich sollte mir fremde Leute anrufen und sie zu ihren Bands befragen und aus dem oft kläglichen Material, das dabei heraus kam, dann einen versprechend klingenden Text machen.
Ich sollte Alben anhören, die ich totlangweilig fand und trotzdem so und so viele Zeichen verfassen, obwohl die Misere in einem Wort beschrieben werden konnte: Gähn!
Ich sollte Filmkritiken verfassen, obwohl ich keine Ahnung von Filmen habe.
Ich sollte Oliver Pocher interviewen, dabei kannte ich seinen Namen nicht einmal, bevor man ihn mir nannte und nachdem ich ihn dann recherchiert hatte, hatte ich das ungute Gefühl, dass man mich nur deshalb vorschickte, da sich sonst niemand freiwillig in die Höhle des Löwen, oder sollte ich besser sagen des Stinktieres, wagte - was sich bewahrheiten sollte.
Ich sollte einen persönlichen Text über Schlingensief schreiben, dabei kenne ich ihn doch gar nicht. Dann solle ich eben einen neutralen schreiben, sagte man mir - und das tat ich. Und er war gut. Aber mit der Überschrift "Ich durfte in Schlingensiefs Seele blicken" war er nur noch lächerlich.
Ich sollte über irgendso eine Emanze von Künstlerin schreiben, aber doch bitte ohne das Wort Feminismus und Gender zu erwähnen, denn "das verstehen die Leser nicht". Stattdessen schrieb ich also über sie und ihren boyfriend.
Ich sollte ein Theaterprojekt alleine bildbühnenkünstlerisch betreuen, dabei wollte ich nur mal sehen, was man in dem Jobb so macht - natürlich ging alles schief und meine mühsam gebastelten Requisiten machten allein die Schauspieler froh, bis mir der Regisseur dann sogar verbot während der Proben mit der eigentlichen Bühnenbildnerin, meiner Betreuerin, zu telefonieren , während diese mir aber gleichzeitig verbot, die Proben zu verlassen, um zu telefonieren, es könne ja was wichtiges passieren - als ob es mein Fehler war, dass ihr Stück ein einziges unorganisiertes und uninspiriertes Fiasko war, denn das war es wirklich.

Ich hab es alles über mich ergehen lassen. Ich habe kein Geld dafür verlangt, wie konnte ich denn auch als "Ein Praktikant in Deutschland", wahrlich kein Sommer- und auch kein Wintermärchen. Wie konnte ich denn, als "freie Mitarbeiterin", frei von Geld und Verpflichtungen, aber nur frei insofern, dass man sich auch traut "Nein" zu sagen zu den dringlichen Mails: "Könntest du das und das noch übernehmen?" und die CDs einfach zurückschickt, die ungebeten in deinem Briefkasten liegen.

Alles, was ich dafür verlangt habe, war lediglich jeweils ein Zeugnis. Und die hab ich auch bekommen, meine Zeugnisse. Das erste musste ich mir allerdings selbst ausstellen, damit der Chefredakteur es dann unterschreiben konnte. Das zweite war ein festgelegtes Dokument, in dem einzig mein Name persönlich auf mich abgestimmt war. Auf das dritte warte ich seit nunmehr 2 Jahren.

Sollte ich mich also jemals wieder für etwas bewerben, werde ich diese Zeugnisse getrost aus meiner Mappe herausnehmen - sie vielleicht sogar wirklich verbrennen, wenn ich erst einmal wieder in Berlin bin -, denn etwas heuchlerisches als die Instanz des deutschen Praktikantenzeugnisses gibt es nicht.
Und was mein selbstgeschriebenes Dokument angeht: Ich werde es als Zeugnis für die Schizophrenie, die mir damals aufgezwungen wurde, behalten.

Samstag, 19. Juni 2010

Radwanderweg Berlin-Kopenhagen

Impressionen meiner Hobobike-Tour von Berlin nach Kopenhagen - aus jedem Zusammenhang gerissen:

Tag 1:

Warum Fahrradfahren toll ist: Man fährt und sieht einen Vogel vor sich über den Weg hüpfen. Man denkt das Wort "Stiglitz" und freut sich darüber, da man glaubte, dieses Wort schon längst vergessen zu haben.

Uhrzeit: 22:15

Ich hab Kerzen. Ich habe ein Buch. Ich hab Reis mit Käsesosse. Ich hab Bananen. Ich habe nackt gebadet und bin von einem Baum ins Wasser gesprungen. Ein alter Mann ist ein Stück des Weges mit mir gefahren und Philipp, 17, hat mich gefragt: "Wie, du hast keinen Freund? Warum nicht?" Ich habe Liebesbriefe von Sabrina an Alex. Ich hab Pflaster an meinen aufgeschürften Fingern. Ich hab ein Insektennetz. Ich hab keine Angst. Ich hab das Leben.




Briefe von Sabrina an Alex.




Baum, Wasser und Philipp, 17.


Tag 2:

Uhrzeit 20:49

- Fingerkuppen schmerzen
- Zeltplatz nur befriedigend heute
- Nacht wird definitiv unbequem werden und ausserdem unheimlich: Gestrüppäste an der Zeltplane
- unglaublich: Ich habe heute sage und schreibe 8 Liter Flüssigkeit zu mir genommen, darunter sogar ein Radler, und musste trotzdem nur einmal aufs Klo

Ich freu mich auf einen heissen Tee.






Der See heute war himmlisch, mit Sandalen reingesprungen, keine Menschenseele weit und breit. Nur leider hätte ich gerne jemanden zum Reden gehabt. Semigut. Das Konzentrationslager hat mich nämlich mehr mitgenommen, als ich mir eingestehen will. Wenn man sich vorstellt, die gedrängten Menschenmassen...und dabei war es so gross. So viel Fläche.




Am Stacheldraht habe ich mir total unnötigerweise die Wade blutig gerissen, dabei war das Gelände offen zugänglich, wie ich erst später bemerkte. Die blöden Mückenviehcher haben sich natürlich sofort auf die Wunde gestürzt, es war heiss, ich schwitzte: Es brannte!
Dann lag da dieser kleine, feine Knochen vor mir auf dem Boden, mitten auf dem Arial des "Jugend"-KZs. Er war vielleicht so lang wie meine Handfläche und am oberen Ende abgebrochen und gesplittert.




Natürlich sagte ich mir sofort, dass das der Knochen eines Tieres sein müsste. Aber was, wenn...?

Die Sonne brannte und die geflügelten Biester piesackten mich immer mehr. Die Luft schien zu flimmern und alles war verdorrt, trocken und von fahler Farbe.
Ich wollte hier schnell wieder weg, aber am besten an einer anderen Stelle, um nicht wieder dem Stacheldrahtzaun zum Opfer zu fallen. Also ging ich weiter die rostige Linie des zwickenden Wachmanns entlang bis ich schliesslich zu einem Tor kam, vor dem Gespenster an dünnem Drahtseil hingen....



Zu meiner Überraschung war das Tor nicht verschlossen, ich öffnete das alte Stück Metall und ging den Weg zu meinem Fahrrad schneller als nötig zurück.
Das Fahrrad stand unverändert am selben Platz, ich näherte mich ihm vertikal aus derselben Richtung, in die ich es auch verlassen hatte. Daher verstand ich die plötzlichen Dornenäste nicht, die wie dürre Finger aus der Erde ragen und sich in mein Fleisch bohrten; vorher waren sie doch noch nicht dagewesen. Ich konnte in einem resultierenden Anflug von Panik auch nicht verhindern, dass ich plötzlich Kinderkrallen nach mir greifen sah, und das Summen der blutdürstigen Stechmücken in meinen Ohren trieb mich schliesslich vollends in den Wahnsinn.
Irgendwie riss ich mich los und hetzte zurück auf die asphaltierte Strasse. Ich raste die nächsten 30km ohne Pause durch und entfernte mir die letzten Dornen erst Stunden später aus meinen Oberschenkeln.


Tag
3:
Unter Fahrradfahrern scheint es noch das patriarchische System zu geben:

1. Der Mann radelt in 95% der Fälle von zweigeschlechtlichen Radlerpaaren voraus.
2. In Radlerkolonien würde eine Frau wie eine geraubte Sabinerin wirken.
3. Allein fahrende Radlerinnen gibt es nicht.

Das macht mich glaube ich zu einer Emanze und einer Heldin (hoffentlich nicht Märtyerin) für die Genderstudies. Pfui bäh!

Aber alles sowieso nebensächlich, denn: Mir tut alles weh!
Die Wade heilt nicht ordentlich wegen dem ständigen Strampeln, die Fingerkuppen nicht wegen dem ständigen Fahrtwind. Jetzt wird auch der Popo langsam wund. Bepanthen olé-olé! Ich komm mir wieder vor wie damals, als ich noch Windeln tragen musste..

Mückenstiche fang ich erst gar nicht an zu zählen. Ausserdem sieht man rot auf rot nicht, den Sonnenbrand muss ich an der Stelle nämlich auch noch erwähnen.

Und jetzt nach dem ganzen Pipifax noch ein wirklich ernstes Problem: Irgendwas stimmt mit meiner rechten Kniescheibe nicht. Auf der letzten Teilstrecke heute habe ich vor Schmerzen angefangen zu heulen, wohl auch vor Angst und Wut, denn eine gearschte Kniescheibe bedeutet eine gearschte Tour. Zwischen meinem Geheule und Gewimmer hab ich mir dann allerdings auch sehr löblich gedacht,  wie gut es ist, dass ich allein bin, denn wäre jemand dabei gewesen und hätte Mitleid gehabt, dann wär ich sofort k.o. gewesen. Aber wenn man sich am Riemen reissen muss, da man ja gar keine andere Wahl hat und sich nur auf sich selbst verlassen kann in dem Moment, dann entwickelt man wahre Monsterkräfte. Ich bin jedenfalls mit dem schmerzenden Ding immer weiter und weiter auf der Suche nach dem nächsten See gefahren und landete schliesslich mit letzter Kraft um 20 Uhr vor einem Bücherhotel. Als ich das sah, glaubte ich ganz kurz ans Schicksal, warf all meine Hobovorsätze über Bord und buchte mich ein.





Und jetzt: Gute Nacht mit Peter Handke (ein deutscher Beatnik?!)

Tag 4:


- 6 (!) Stunden Regenfahrt!




- mein Knie tut weiterhin weh, aber ich entwickle eine Strampeltechnik, die es weitestgehend nicht belastet und finde heraus, dass die Schmerzen aufhören, wenn ich ab und an einfach kurz absteige und ein paar Meter gehe

- in Rostock nach dutzenden Kilometern Schotterweg und Wald und Wiese - auf dem Asphalt der Grosstadt - 7km vor dem Hafen, von wo aus ich die Fähre nach Dänemark hätte nehmen wollen, -- ein Platten!

- allerdings dadurch auch ein Platten 10m vor dem rettenden Wegweiserschild "Fahrradwerkstatt" (wie oft sieht man denn schon Wegweiserschildchen zu einer Fahrradwerkstatt...?! Schicksal, du Arsch, du willst echt unbedingt, dass ich an dich glaube. Pustekuchen!)

- dadurch auch ein Platten, der mich zu einer Werkstatt führt, dessen Inhaber gleich nebenan ein Internetcafé vernetzt hat

- Couchsurfing ist toll: Innerhalb von einer halben Stunde habe ich eine kostenlose Unterbringung in Rostock und bekomme auch noch eine Privateskorte, denn der Kerl, der gerade zufällig auch im Laden ist, bekommt meine Geschichte mit und bietet sich an, mir den Weg zu zeigen

- Tja, dann ist couchsurfing aber auch wieder nicht so toll, denn: Zwei so (ro)stocksteife Typen, wie meine beiden Gastgeber, habe ich selten zuvor erlebt.

Tag 5:
Auf der Fähre (so gegen 13:30):

Langsam werd ich melancholisch. Da sitzt dieses eine Mädchen mit mir oben an der Reling und wir beide zusammen verringern den Altersdurchschnitt der Passagiere an Bord wahrscheinlich um mindestens zehn Jahre. Da sitzt sie also - rothaarig, frisurlos, ein wenig zerstreut und mit einer Wollmütze - in viel zu weiten Klamotten und liest. Ich will hingehen und hallo sagen. Einfach nur so. Und sie fragen, was sie denn da für ein Buch hat, auch wenn es mir eigentlich total egal ist, was sie liest.
Sie schaut auch ab und zu zu mir rüber. Ich sitze genau wie sie da: Allein auf einer Bank, zerstreut und verstrubelt und lesend - beziehungsweise jetzt im Moment schreibend.
Aber aus irgendeinem Grund tu ich es nicht. Und letztendlich ist es ja auch egal.

Uhrzeit 20:30

Scheisse! Ich werd krank. Die typischen Symptome: Halskratzen, Unwohlsein, saurer Magen, Liderschmerzen.
Was musst ich auch ins Meer springen, ich Doofi! Es war viel zu kalt und viel zu spät. Jetzt ist mein Haar immernoch nass und ich kann meine Füsse reiben, wie ich will: Die werden nicht warm!
Und ich bin zu blöd ein Lagerfeuer zu machen.

Ich habe fünf Kerzen angezündet und alles zusammengerafft, was mich irgendwie warmhalten kann, zwei heisse Zitronen (noch von Sissy..) getrunken und werde jetzt sofort meine Augen zumachen! Nix mehr mit lesen oder den Strand erkunden gehen. Heute muss diszipliniert geschlafen werden, sonst habe ich morgen ein Problem.