Donnerstag, 21. November 2013

Perfect Mirrors



Can you hear them?
The whisp'ring waves
We're in Big Sur -
No need for words now
We sit in silence
The moon's light
in our eyes directly
And we can see
Dark Rivers
through the Milky Way
We're in them
Reflecting -
like perfect mirrors

Do you feel them?
The hawk's wings vim
We watch him flying
No need for words now
We sit in silence
His stern eyes
pierce our minds directly
And we can see
high waters
in far mountains' fold
We're in them
Reflecting:
The perfect mirrors

Can you grasp it?
This true momento
How we are (in) it
Fierce wish to scream
Or are we screaming?
Old worn fears
faced here directly
And we can see
blue dolphins
in wild water's waves
We're with them
Hands touching:
My perfect mirrors

Can you freeze it?
The final sunrise
Where all must end
No room for words now
We part in silence
Our soil scents
exchange skins directly
And we can see
tough currents
in the flux of time
We're in them
Shifting
like liquid mirrors

Can you tell me?
Those perfect mirrors -
What do they show now
I am in Berlin
I sit in silence
The screen's light
hits my face directly
And I can see
white barriers
in every window's pane
I'm in them
Reflected
by empty mirrors







Dienstag, 1. Oktober 2013

God or Atoms?


Looking up into the sky, different people see different things.

After a whole day spent (not literally) with physicists Stephen W. Hawking and Brian Greene, and biologist Richard Dawkins, one might observe that the arrogance of Science sometimes can be as unjust and stubborn as the arrogance of Religion in its claim of being the Ultimate Truth. And their criticism of people's faith occurs vain and mocking, even arrogant sometimes in its denial of the believers' image of the world.

Now of course the Genesis is not a subject for Biology classes, as gravity's existence is not to be questioned in Ethics. And hell should not be used as a threat, when it could be used more wisely as a metaphor for the pain and anguish a bad consciousness causes. Also, regarding some most important social issues, at least two religious books should definitely be revised. But the story of Noah's Arch for example and the formation history of the Black Sea could and probably should be taught in one class in order to build a bridge between two under normal circumstances isolated towers to connect the fragments of our world. And the idea of Reincarnation is easily combined with the theory of elementary particles: we do stay on earth after our death and we do transform into new life.

So why can there ever so often only exist ONE answer to many big questions? Why can't people notice that quite often believing in their belief to be the one and only true belief, reflecting the one and only true reality, usually only causes conflicts and discussions leading to dead ends and dead people? And why is there so little flexibility and willingness to benefit from each other?

Maybe the String Theory is able to connect the many worlds we've created in order to understand our one world, because - seriously - if there is 11 or even more parallel universes existing at the same time in the same place, who could argument against it then, that more than only one idea should be able, MUST be able, to dwell peacefully next to each other in the same space-time continuum - our experienced world - at every moment of our conscious life?

Religion has killed in huge numbers and Science has as well. So in the end it is not the question of "Science or Religion?" but using either one, and also Politics and Economy, as tools and not weapons, and to focus on consensus rather than difference. Because the answer to most questions cast in the previous paragraphs, the answer to why people can't live next to each other in a decent and moralistic manner, is not because of Science's cold-minded ratio or Religion's conservative ignorance, but because of a few people's hunger for might and power or revenge. And it is those people we have to be cautious about and look out for, because in that sense the Holy Bible is actually right: the devil wears many disguises. And all of us have to exorcise our lives and surroundings once in a while, not to serve our chosen Ultimate Truth, but in order to be true to ourselves.

Montag, 26. August 2013

Ein paar mehr Eindrücke aus Berkeley und San Francisco


Surrounded! USA, wohin ich auch gehe, wo ich stehe und wohin ich mich drehe.


In Ferlinghettis City Lights Bookstore.


Auf Besuch bei David, meinem Gastgeber, in seinem Restaurant Calcone's in der Columbus Street. Wie oft wird man schon vom Chefkoch persönlich bekocht?


Berkeley Nächstenliebe (in dem Papier sind Cookies eingewickelt).


Gullideckel im Mission District.


Der Pirate Supply Store vor seiner Renovierung.


Unter einer Planke im Holzboden versteckt fanden wir diese sehr alte, mit Korallen überwucherte und überrschend schwere Axt!! Caroline weiß eindeutig noch nicht, wie sie das finden soll.



Fleißig am Werkeln. Fotos vom Ergebnis der Mühen kommen dann bald.



Große Erleuchtung in kleiner Schublade..


Hinter der Golden Gate Bridge mal wieder rahmensprengende Eindrücke der kalifornischen Landschaft.


Den Trail werde ich wohl leider nicht hiken können während meiner Zeit hier. Er umfasst die komplette Bay Area.


Glück gehabt: Ausnahmsweise ist die Golden Gate Bridge einmal nicht in dichten Nebel eingehüllt.


Mein neuer Lieblingsort in den Berkeley Hills: Inklusive Baumschaukel und Klettermöglichkeiten! :D

Mittwoch, 21. August 2013

Die ersten Frisco/Berkeley-Tage im Schnelldurchlauf

        BERKELEY                                                                      SAN FRANCISCO 



Im Golden Gate Park in San Francisco gibt es Frisbee-Spielanlagen, Seen, Brombeeren, einen Hippie Hill und massenhaft beeindruckend schöne Bäume. Den hier mochte ich besonders.



Zu Füßen des Hippie Hills. Direkt daneben war ein kleines Parkfest, auf dem es kostenloses Essen und Trinken für alle gab. Dazu Hare-Krishna-Gesänge in Endlosschlaufe und Aufklärung über die "Höheren Wissenschaften", Vegetarismus und was sonst eben Hippie Hill Billies interessiert.


Oben und unten zu sehen sind Impressionen aus der Haight Street im District Haight-Ashbury, wo sich ebenfalls hauptsächlich Menschen mit Rastas in weiten, bunten und manchmal auch kaputten Klamotten bewegen.




Mein erstes "echtes" mexikanisches Essen, ein Quesadilla mit Veggies, Guacamole und Koriander-Tomaten-Salat.


So, für diese und kommende Panorama-Aufnahmen sprenge ich nun einfach mal den Rahmen. Hier zu sehen die Aussicht von meinem ersten ordentlichen Jogging-Hike in den Berkeley Hills. Hinten rechts im Nebel liegt die Golden Gate Bridge versteckt und hinter den Bäumen verborgen kann man leider auch die Berkeley University nicht sehen.


Hier sieht man sie jetzt aber, die Golden Gate Bridge. Denn während der Aufnahme dieses Bildes befinde ich mich gerade auf dem direkten Weg zu ihr.


Vor einigen gefühlten Metern hatte es noch ganz anderes Licht und ganz anderes Wetter gehabt. Man muss wirklich immer drei Schichten Klamotten dabei haben.


Ich mit Blixa, dem Fahrrad von meinem momentanen Gastgeber/ Mitbewohner Dave, der schon seit vier Jahren nicht mehr damit gefahren ist. Mit ein wenig Öl, Wasser und viel Geschrubbe brachte ich es wieder auf Vordermann. Den Namen Blixa gab ich ihm übrigens nach der Putzaktion mit dem Einverständnis Daves, der (neben Marius in Oslo!) der größte Einstürzende-Neubauten-Fan ist, den ich kenne und wer könnte da Nein sagen, wenn man dem Fahrrad den Vornamen des Frontmanns der eigenen Lieblingsband verpasst?


Die beiden hier, zwei sehr nette Wiener Psychologen, traf ich auf dem Weg hinter der Golden Gate Bridge auf dem Weg nach Sausalito, einem sehr mediterran wirkenden Küstenstädtchen direkt am Hang.


Den Sweater, den ich trage, habe ich übrigens in einem Koffer unweit der Berkeley University gefunden. Vermutlich eine Studentin, die zu viele Sachen im Laufe ihrer Studienzeit gekauft hatte. Oder aber ich habe eine arme Pennerin beklaut. Dafür roch das gute Stück allerdings viel zu gut...außer es war eine enorm gut riechende Pennerin. Es soll ja alles geben in dieser Welt.


Die Nebelwolken, die hier ständig von einer Halbinsel zur nächsten schweben und sich dabei wie milchige Glasglocken über alles stülpen, sind noch immer sehr beeindruckend für mich.


Hinter mir lag die Golden Gate Bridge noch immer in einer dicken, grauen Nebelbank. Auf San Francisco dagegen schien die Sonne! Also schnell zurück...

Dienstag, 20. August 2013

Klischees und Klischees in New York.

NEW YORK


Auf Zons Dach: Blick von Brooklyn auf Manhatten.

14.08.2013: In New York war meine vorläufige Bleibe die gemütlich unordentliche und vollgestopfte Wohnung von Zon aka Liaizon Wakest, den ich vor eineinhalb Jahren in Fez/ Marokko ebenfalls auf einem Dach, nämlich dem des Cafés Clock (sehr zu empfehlen!) kennengelernt habe. Zon wohnt gemeinsam mit seinen vier Mitbewohnern - zwei davon menschlich, zwei tierisch (Katzen) - auf einer der zahlreichen Nebenstraßen der endlos langen Fulton Street, mitten drin im schwarzen Ghetto von Brooklyn.


Blick auf Zon (Fotocredits: Sarrah Danziger). Blick auf seine Homepage: http://wakest.info/


"That is not a good idea!", antwortete mir Zon in einer SMS, als ich ihm noch von Oslo aus vorschlug, einfach die Stunde nach meiner Ankunft, während der er noch auf der Arbeit sein würde, vor seiner Haustür oder irgendwo in der Nähe zu verbringen. "It is not exactly a safe neighborhood.."

Die Klischees, die man so von Brooklyn hat, kann ich dennoch nicht bestätigen. Die Leute waren ungemein freundlich, als ich am Tag nach meiner Ankunft auf Zons kleinem, blauen Klappfahrrad durch ganz Brooklyn bis hinab nach Coney Island, vornehmlich auf dem Ocean Parkway, radelte. Die Karte, die ich dabei hatte, brauchte ich eigentlich gar nicht, denn bevor ich sie überhaupt inspizieren konnte, bot mir jemand schon seinen Rat an. Apropos Rat: Fast noch schöner als der Central Park, jedenfalls wesentlich untouristischer und ruhiger, ist der Prospect Park in Brooklyn!

                           Zons Radl und ich auf Coney Island: Blau, blau, blau sind alle meine Kleider, blau, blau,
                           blau ist alles, was ich hab...


Am Atlantik auf Coney Island angekommen gab es dann erst einmal ein wohlverdientes, selbst gemischtes Radler. Dank Heineken schmeckte ich das Bier eigentlich überhaupt nicht, dank dem ausgelassenen Frühstück spürte ich dennoch was. Was ich hier vornehmlich tat, falls ihr das lest, liebe ehemalige Mitpilgerer, war die Augen schließen und vom Camino träumen. Ich versuchte es jedenfalls. Lust auf Großstadttrouble hatte ich nämlich überhaupt nicht und die nette New Yorkerin, die das Foto oben von mir geschossen hat, meinte auf meine Frage nach ihrem favorite spot in New York nur: "Here!" Also warum mir den Stress antun und New Yorks Attraktionen abklappern, die man eh schon tausend Mal im Fernsehen gesehen hat.

Leider war ich von drei Gruppen schwatzender Amerikaner umzingelt und ein erstes Klischee erfüllte sich. Bei allen drei Gruppen die gleichen folgenden drei Gesprächsthemen: 1. Bestes Handy + bester Vertrag, 2. Welche Diät sollte man machen?, 3. Hast du das schon von Brad und Angelina gehört?
Ich hätte mehr Heineken kaufen sollen...

...darum lieb ich alles, was so blau ist, weil ich gern ma blau am blau'n Meer bin.
Zwei weitere Klischees kann ich an dieser Stelle übrigens überhaupt nicht bestätigen - was auch nicht weiter verwunderlich in New York und San Francisco/ Berkeley ist: Weder ist das Bier schlecht noch ist das Essen fettig, eklig und ungesund. Ich kann jedem empfehlen, unbedingt ein Sierra Nevada Pale Ale zu trinken, sollte sich ihm eines in den Weg stellen und was das Essen und die Supermärkte hier angeht, ist "Organic" eigentlich Pflicht. Besonders hier in San Francisco habe ich manchmal das Gefühl, durch eine gigantische Monsterversion des Prenzlbergs zu laufen, dessen Straßen von gigantischen Monsterversionen von Alnatura gesäumt sind. An diese Größen muss ich mich wahrlich noch gewöhnen.

Das Heineken da oben war also nur eine Parodisierung des American Way of Life und ich habe es mir ganz freiwillig angetan.

Von ungesunder Ernährung keine Spur. Vor einem Obstladen in der Fulton Street.


Später jedenfalls kam ich nach einer kleinen Fahrradpanne zufrieden und erschöpft (ich war fast die komplette Küstenroute Brooklyns mit dem Fahrrad abgefahren) um 7pm zurück in Zons verlassener Wohnung an, duschte dort kurz Sand, Salz und Schweiß ab und machte mich auf den Weg zum Con Artist Collective in der Ludlow Street 119, Manhatten, wo Zon fleißig bei den Vorbereitungen für seine Ausstellung in der darauffolgenden Woche war. Hier der Flyer und eine Zeichnung:



Er unterbrach seine Arbeit, um mit mir ein wenig um die Blocks der Delancey Street, Manhattens alternativem Künstlerviertel, zu strömern. Dabei entdeckten wir einen raumgroßen Altar, der in krankem Neonlicht und gleichzeitig düster gehalten dem bekanntesten Hippie-Killer aller Zeiten, Charles Manson, frönte. Weitere Eindrücke der morbid-tiefenpsychologischen Gedanken der großstadtneurotischen New Yorker Künstlerszene bekam ich danach noch auf einer Gallerie-Eröffnung, wo ich durch Zon auch dazu kam, die ein oder andere Hand der dort ausstellenden Künstler zu schütteln. Weit wohler fühlte ich mich dann jedoch später zurück in der Ludlow Street, wo ich mit anpackte und um 11 Uhr nachts noch gemeinsam mit Zon begann, die Außenfassade der Gallerie weiß zu streichen. Eine verrückte Japanerin blieb begeistert stehen: "I am taking pictures of beautiful New Yorkers, may I?" - aber sie war bereits schon eifrig am Knippsen. So schnell wird man also ein Beautiful New Yorker, dachte ich mir, während auch schon die nächste Gestalt anscharwenzelt kam. Hochhackig und in wenig Stoff gehüllt unter einer zentimeterdicken MakeUp-Schicht flötete sie uns ein "Hiii, I'm not a guy!" entgegen.
Hat Identität wirklich was mit identisch zu tun?



Der Heimweg gestaltete sich dann ebenfalls noch als sehr eindrücklich. Zon empfahl mir den Fußmarsch (ich weiß, eigentlich keine alleinigen Nachtspaziergänge durch fremde Großstädte...) und so machte ich mich also auf den 5 Meilen langen Weg über die Willamsburg Bridge und durch den nordwestlichen Teil von Brooklyn.
An jeder Ecke sah ich  für die längste Zeit meines Weges dunkle Gestalten in schwarzen Mänteln mit langen Bärten und Hüten. Ich kam mir vor wie Harry Potter in der Winkelgasse! Stattdessen befand ich mich allerdings tatsächlich mitten in einem der vielen jüdischen Viertel Brooklyns. Es war ein befremdliches Erlebnis und ich fühlte ganz wie Harry eine unglaubliche Faszination angesichts dieses in sich geschlossenen Mikrokosmos mitten in der Großstadt. Plötzlich konnte ich keine Schrift mehr lesen, keine bekannten Läden erkennen, generell nichts Vertrautes mehr entdecken. Und dann - ganz unvermutet - war der Spuk auch schon wieder mit nur einer Straßenkreuzung vorbei und ich sah wieder die Halal-Metzgereien, Kiosks, Nagelstudios und Ramschläden der farbigen Viertel.
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Wunderschöner Buchladen direkt beim Central Park, der Rizzoli Bookstore.

16.08.2013: Dieser Tag nun in aller Kürze. Ich verbrachte ihn an vier Orten: Im Central Park, im Rizzoli Bookstore, im Bus M60 und am Flughafen. Die längste Zeit saß ich im Bus, weswegen ich am Flughafen nur sehr kurz war, nämlich, um mir einen alternativen Termin für meinen verpassten Flug geben zu lassen. Es hatte ein Feuer auf der Queensbridge und entsprechend absolutes Verkehrschaos auf allen restlichen Brücken nach und aus Manhatten gegeben. Zum Glück hatte ich mir zuvor A Hologram for the King von Dave Eggers im bereits erwähnten Buchladen auf der 57th Street direkt vorm Nordeingang des Central Parks gekauft (und dort einen sehr ansehnlichen jungen Mann getroffen, der mir fast um den Hals gefallen wäre, da ich Michel Hoellebecq, seinen momentanen Lieblingsschriftsteller kannte) und zum Glück hatte ich zuvor beim kompletten Durchqueren des Central Parks von Nord nach Süd meinem Bewegungsdrang freien Lauf gelassen: Drei Stunden saß ich in diesem verflixten und komplett unterkühlten Bus!

Habt ihr's gewusst? Ich nämlich nicht. Man darf im kompletten (!) Central Park nicht rauchen.
An dieser Stelle muss unbedingt die wahnsinnige Hilfsbereitschaft der New Yorker ein weiteres Mal erwähnt werden. Nicht nur in Brooklyn, auch hier und später am LaGuardia Airport sollte sie mir begegnen. Ein Mann rief für mich bei American Airlines an, als ich kurz vorm Nervenzusammenbruch stand und eine Frau tröstete mich am Flughafen, als ich mich mitten im Nervenzusammenbruch befand:

- "Are you alright, Miss?"
- "You know.. *sniff* ....usually I really got nerves but...*sniff*...this is the second time within three days that I can't take my original flight and.....*cry*...I just really wonder if all this doesn't mean that I should go back home! I wanna go home!"
- "But dear, look around you! You see all those people there waiting at the desks? They all missed their flights! I missed my flight! Now don't you worry, dear, everything is gonna be fine!"

Eine halbe Stunde später saß ich mit einem Ticket für einen direkten und schnelleren Flug zu einer besseren Uhrzeit dank Maria, einer dunkelhäutigen Mama-Figur hinter dem Desk, die alles dafür tat mich glücklich zu machen, obwohl ich nur so wenig wollte ("I just wanna get to SF somehow, I really don't care about the conditions!" - "But I want to see you smile! You've got my daughter's name!"), im Bus zurück nach Brooklyn.

Bisher liebe ich meine Erfahrungen im Land der mittlerweile doch sehr begrenzten Möglichkeiten (China ist hier übrigens überall präsent!) sehr und das wohl vor allem aufgrund der Begegnungen und vielen Hilfestellungen, die mir zuteil wurden. Daher beende ich diesen Blogeintrag jetzt mit einer letzten, nicht ganz rosigen Begegnung und einer letzten Klischeekonfrontation:

Am nächsten Tag nach einer letzten Bruchladung bei Zon schaffte ich es gerade noch so rechtzeitig, meinen so toll von Maria organisierten Flug nach Frisco zu erwischen. Dank einem freundlichen Piloten namens Dave, mit dem ich zuvor ins Gespräch gekommen war und der selbst die Strecke NYC- SF alle Nase lang abflog, bekam ich einen Fensterplatz und landete somit neben einer etwas abgewrackt wirkenden Dame mittleren Alters, die den Kajal etwas zu weit unter den Augen trug, als dass man sie nicht einer durchzechten Nacht bezichtigen konnte.
"Oh God!", stöhnte sie neben mir, etwas zu laut, als dass es nicht einer Gesprächsaufforderung gleich kam. "You're ok?", und zack!, bekam ich auch schon ihre komplette Lebensgeschichte aufgetischt. Da war diese Party von ihrem Kumpel, der einen Club in New York besitzt und dann war da dieser Wallstreet Heini, der ein Apartment in Soho besitzt und nein, nein, die Klamotten habe sie angelassen, aber seit ihrer Scheidung vor zwei Jahren lebe sie etwas wild und ihr Sohn sei ja auch erst 7 und jetzt schon so schrecklich emotional, da müsse man gut Acht geben. Jaja, in Berlin habe sie auch einmal gedreht, also eigentlich ihr Vater, aber sie war dabei, selber will sie da auch mal einen Film machen, aber dann eher in Polen drehen, sie brauche die richtige 2.WK-Kulisse. Die Agenten von diesem John Snow-Schauspieler treffe sie nächste Woche, Goooood, wie sie den unbedingt für ihren nächsten Film haben wolle, aber jetzt erst die Rechte für den eben in New York produzierte mit Owen Wilson verkaufen. Ihr Vater habe ja immer gesagt, sie solle nie einen Schauspieler daten und sich nie in einen verlieben. Sie habe auf ihren Vater gehört, sie wisse genau, was sie suche! Auf jeden Fall keinen Schauspieler.

Ihre Augen waren meistens leer. Ich konnte nur etwas darin erkennen, als ich ihr sagte, dass es doch normal sei, dass man sich als Künstler nur dann lebendig fühle, wenn man Kunst kreiert und dass man doch genau deswegen Künstler werde und dass ihr Sohn mit Sicherheit auch einer sei. Nachdem sie fertig erzählt hatte und sich daraufhin nacheinander zwei Folgen Game Of Thrones und zwei Filme reinzog, begann ich in meinem Notizbuch zu schreiben und dachte dabei an ihren Sohn und hoffte für ihn, dass seine Mutter an irgendeinem Punkt in ihrem Leben für sich und für ihn das Klischee Hollywoods würde durchbrechen können.

Montag, 19. August 2013

Die Gottesparty

Berkely, California / Sonntag, 18.08.2013 / 11:30


Ich frisch angekommen in Berkeley mit SF im Rücken.
Natürlich sind Psychologie, Religion und Astrologie drei komplett verschiedene Paar Stiefel. Dennoch fällt es mir manchmal schwer, sie voneinander zu trennen. Zum Beispiel heute, da ich an meinem ersten Tag nach der gestrigen Ankunft in Berkely, California, einer "Messe" - meiner ersten Messe in dieser Form überhaupt, ich nenne sie mal eine Gottesparty - im Covenant Worship Center beiwohnte. Das kam so:

Am Morgen hörte ich Musik durch die Fenster von der gegenüberliegenden Straße herein dringen. Laute, energiegeladene Musik irgendwo zwischen Jazz und Blues, die selbst den Motorlärm der vorbeifahrenden Autos auf der San Pablo Avenue übertönte. Dave, bei dem ich gerade wohne, schlief noch, hatte mir aber eine Stunde zuvor schlaftrunken im Bademantel die Schlüssel zu seinem Haus überreicht.

Die für mich etwas unerträgliche Situation war, dass ich Heimweh, aber kein Internet hatte, Bewegungsdrang, aber keinen Stadtplan, Lust zu duschen, aber keine Ahnung, wie die warme Dusche funktionierte. Also nahm ich kurz entschlossen den Schlüssel an mich und dachte mir: Einfach nur raus!

Eine gute Entscheidung, wie sich heraus stellen sollte, denn kaum, dass ich vor dem sonntags leider geschlossenen Buchladen auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand, hatte ich einen Wi-Fi Empfang auf meinem Handy und die warme kalifornische Sonne auf meinem Rücken. Die Musik allerdings war mittlerweile leider verstummt und so sah ich mich etwas enttäuscht und ratlos um.

Nur zwei Häuser weiter sah ich auf einmal drei komplett in Weiß gekleidete Gestalten aus der Tür heraus treten. Alle drei männlich und dunkelhäutig mit einem Leuchten im Gesicht, und langsam dämmerte mir, was ich da am Morgen gehört hatte. Gestern hatte ich bereits gemeinsam mit Dave festgestellt, dass es in den Staaten zwar abertausende von Kirchen gibt - meistens von einer privaten Gemeinde betreut und gegründet, in einfachen Häusern untergebracht und simpel und minimalistisch gehalten -, aber trotzdem nur selten Kirchengeläut. Diese Stille musste irgendwie kompensiert, der Herr auf andere Art und Weise angerufen und gepriesen werden, zum Beispiel mit Gospels!

Nun bin ich ja sicherlich nicht die einzige, die spätestens seit Sister Act davon träumt, einmal an einem "Schwarzen Gottesdienst" teilzunehmen und so ging ich auf das Haus zu. Ich trug eine schwarze Bluse und dunkle Blue Jeans, mein Haar war nicht gewaschen (das Duschproblem) und generell sah ich einfach nicht sehr festlich aus. Ob man weiß gekleidet sein muss, um teilnehmen zu dürfen?, fragte ich mich. Ob man schwarz sein muss, um eingelassen zu werden?, fragte ich mich weiter. Und schließlich: Kann ich als schwarz gekleidete Weiße so dreist sein und überhaupt erst fragen, geschweige denn eintreten? Vor dem Haus blieb ich also stehen und sah mich unsicher geworden um. Über dem weißen Haus stand in großen schwarzen Lettern: COVENANT WORSHIP CENTER. Meine momentane Bleibe, Daves komplett in Bordeauxrot gehaltenes Haus, war nur knapp 20 Meter entfernt. Bordeauxrot ist zusammen mit Dunkelblau meine Lieblingsfarbe...

Da trat eine Frau mit ihrem kleinen Sohn aus dem Haus heraus und lächelte mich an. Damit war der Bann gebrochen. Statt halb Daves Haus und halb dem Worship Center zugewandt zu bleiben, drehte ich mich nun komplett der Frau zu. Ob der Gottesdienst ausschließlich für die Gemeinde sei, fragte ich sie. Sie lachte. Und zwei Minuten später befand ich mich schon inmitten der Gottesparty.

"Emotions ain't always a source, they're often symptoms!" Der Prediger schritt aufgewühlt die Bühne in dem komplett weißen Raum auf und ab, seine Stimme überschlug sich förmlich und die Worte sprudelten in einem Fort aus seinem Mund. Neben ihm lief auf einer Leinwand eine PowerPoint Präsentation, darunter war die Facebook Adresse des Centers angegeben.
"Anger for example ain't no source, I tell you! Anger is a symptom! And its source is fear! Fear to get hurt!" Hände reckten sich ihm unter den weißen Girlanden entgegen und versperrten mir die Sicht. Im ganzen Raum war Bewegung, weiße sich hin und her wiegende Körper und schwarze, wippende Köpfe.
"Being defensive is nothing but a sympton! And its source is fear to be criticized."
Ich saß ruhig auf meinem Platz, spürte aber, wie ich eine Gänsehaut bekam, wobei ich in dem Moment noch nicht genau sagen konnte, weshalb.
"Jealousy is a sympton! And its source is fear of not being good enough. Do you think you're not good enough?"
Oh God, oh God!, fing eine ältere Dame direkt vor mir mit einem weißen Tüllhut an zu stöhnen und warf die Arme über den Kopf. Aber der Prediger kannte kein Erbarmen und der Schweiß brach ihm aus allen Poren, während er unerbitterlich weiter auf uns einpredigte.
"Cause I tell you, that motion is wrong! God loves you! God thinks you're good enough! If only you got trust and faith, you'll feel it! And if God means faith and trust, then I ask you: Whose work is the fear, hu?" Eine Stille trat ein. "I guess you haven't got me there, ey? I say, who lures behind the fear? Who is the fear?" The Devil, the Devil, the Devil, raunte es einstimmig durch den ganzen Raum und für einen Moment kam ich mir wie auf einer anderen Art von schwarzem Gottesdienst vor.

"And this is why you must carry your Faith on your shoulders!" Er stand jetzt ruhig hinter seinem Pult und sah beschwörend auf uns herab. "You must carry it on your shoulders and it ain't as easy as some Christians want us to believe. No, it is very heavy sometimes and yes, it is a burdon! It is our burden and we all have to carry it!"

Ein einstimmiges Nicken geht durch die Reihen. Einige vornehmlich weibliche Gottesanbeterinnen nehmen sich inbrünstig in die Arme oder fassen sich an den Händen. Ich merke, dass wir uns langsam der Klimax nähern, die Anspannung im Raum verlangt nach Entladung und anders als auf weißen Gottesdiensten, wo nicht einmal Klatschen erwünscht ist, ist hier alles Vorbereitung auf eben diese Entladung.

"Now I ask you: How comes we so often don't feel our real emotions outside of these walls but just the symptoms? Can you feel when you are at your work? With your family at home? Do you feel alive out there?"
Bebende Schultern überall und dieses Mal weiß ich genau, woher meine erneute Gänsehaut kommt, denn spätestens ab diesem Moment bin ich nicht mehr nur Beobachter, sondern sitze selbst mitten drin im Gefühlserdbeben, bin Teil von dieser Gottesparty geworden.
"You have to be bold, I tell ya! Bold to fight your fear! Bold to fight the devil!" Er reißt sich plötzlich das Jacket vom Leib und springt mit einem riesen Sprung von seinem Pult herab direkt vor die erste Reihe. Alles kreischt und tobt, kaum noch einer hält sich auf seinem Sitz - ich schaffe es gerade noch so, mich an meinem Stuhl festzuklammern.
"Jump into the water I tell you! Jump! Don't stand in front of it and tip your toes into the surface while all others swim their rounds right through it!" Und da erst merke ich, dass plötzlich eine Band auf der Bühne ist und mit einem einleitenden Jauchzen des jetzt nicht mehr hohen Priesters, der unten bei seinen Schafen vor der Bühne geblieben ist, geht auch schon die Musik los.

Die Dame im Tüllhut dreht sich plötzlich nach mir um, strahlt über das ganze Gesicht und streckt ihre Hände nach mir aus. Ich lasse sofort meinen Stuhl los und ergreife sie. Drei Sekunden später drücke ich die kleine Frau auch schon fest an mich und die tüllumfasste Krempe von ihrem Hut kitzelt mich unter der Nase. Noch ein paar Sekunden später stehe ich mit ihr vor der Bühne und kann endlich das Gefühl fassen, das mich ergriffen hat: Der Astrologe nennt es Schicksal oder Bestimmung, der Mann vor mir in seinem verschwitzten Hemd, der jetzt hingebungsvoll von Gott singt, nennt es Teufel! Der Psychologe nennt es das Ich und der Atheist nennt es mit einem ironischen Lächeln 42. Und doch ist es eigentlich immer derselbe Kampf, der da ausgefochten werden muss mit demselben Gegner und ich nenne ihn: Das Leben!

Schwarze Weiße umarmt weiße Schwarze: Die Tülldame und ich nach der Gottesparty.

Mehr als fünfzehn fremde Menschen umarmte ich in den darauffolgenden Minuten. Nasse, klebrige Wangen und weit ausgebreitete Arme überall. Der kleinen Tülldame lief das Wasser nur so über Stirn und Mund. Um uns herum ein wild tanzendes Menschenmeer aus Emotion im flüssigen Aggregatzustand! Was soll ich sagen? Viel anders als ein gutes Konzert fühlte sich das auch nicht an! Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelter Spaß! Ich tanzte wie eine Wilde!

Das Duschproblem zu Hause war dann zum Glück schnell behoben. Manchmal heißt das Motto eben doch nicht "Reinhüpfen und los geht's!" Denn nur mit ein wenig Geduld und hartnäckigem Warten wird auch das kälteste Wasser irgendwann warm...

Mittwoch, 7. August 2013

An unfinished story.

Luck means   
being alone    
without ever   
feeling lonely. 



He entered the Restaurant. A fine looking man in his forties, keeping his prominent chin up and presenting his handsome face resting on an immaculate neck, supported by strong shoulders which filled out a sporty outdoor jacket and led to slender loose-fit jeans legs. Almost six and a half feed tall he had just the perfect height without looking ridiculous or overgrown or having to bend his head when entering a door. His eyes therefore also sat high, beaming into his surroundings and seemingly moving the particles around him, almost making them dance; a double laser-show ready to jump at whatever object it was meeting and radiographing the story of their  owner into your biology, a story about a responsibility free life committed only to commitment, a story of happiness.
You could tell by one look or better to say, were told by one look, that he was the man who always knew the right questions to ask and the proper story to tell, but who could also sit in silence for hours or even days without feeling uncomfortable. As he had scanned the restaurant's interior, screened the wooden tables reflecting the soft lights coming from the cloth-shielded lamps, taken in the minimalist Scandinavian decor at the walls, he now finally turned to me.
"I know what you want", I said.
He smiled. Just and simply smiled. No signs of discomfort by being targeted so directly. He was used to it.
"And what would that be?", he asked, still smiling.
"The buffet of course."
Now he smiled even broader. The patterns of the lines drawing his face spoke of a wide sense of humor, of stormy days outside, but went too deep to not also tell of losses and disappointments. They were telling of a life which is being lived by a man who could value the moment.
"Well, you are right", he said now, "How do you know?"
"Men like you always want everything", I answered.
He chuckled.
I was aware of the fact that I was flirting with a man who could be my father. But I didn't care. I was the waitress, it was my job to entertain my guests. I walked around the desk and stepped out behind the bar. He was standing there still smirking, apparently enjoying the doubled attention of not only the woman, but also the waitress in me.
"Well, just follow me. I'll show you paradise", I said and led him to the buffet banquet in the back of the hotel. There exist men you don't want to walk behind you and men you want to walk behind you. He was neither one of them. He didn't make me aware of me wearing jeans in which my curves would show. I didn't feel his eyes weaving invisible ropes around my legs, which would make me stumble. I just simply didn't notice the fact of him walking behind me. He felt so natural with his steps taking immediately the same rhythm as mine, there was simply no cause for neither worries nor displaying gender games. He was a man to walk with.

"Don't walk behind me; I may not lead. Don't walk in front of me; I may not follow. Walk beside me and be my friend." Albert Camus